Saatgut-Kreuzung

Masseneinspruch gegen Tomatenpatent

Schon länger protestieren Umweltschützer gegen die Patente auf Pflanzen und Tiere. Ein Fall brachte gleich 65.000 Menschen aus 59 Ländern in Rage: So viele unterschrieben einen Einspruch gegen ein Tomatenpatent.
Rund 65.000 Menschen aus 59 Ländern widersprechen einem Tomatenpatent. Quelle: dpa
Streitfall Tomate

Rund 65.000 Menschen aus 59 Ländern widersprechen einem Tomatenpatent.

(Foto: dpa)

MünchenUmweltorganisationen haben am Donnerstag eine Rekordzahl von Einsprüchen gegen ein Tomatenpatent beim Europäischen Patentamt (EPA) in München eingereicht. Rund 65.000 Menschen aus 59 Ländern widersprachen dem Patent, wie das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut“ mitteilte.

„Das ist eine in dieser Größenordnung noch nie da gewesene Aktion“, sagt Iga Niznik von der Organisation Arche Noah. „Die Unterstützung dieses Einspruchs stellt auch ein deutliches Signal an die Politik dar, damit diese deutlich entschiedener als bisher gegen Patente auf Pflanzen und Tiere vorgeht.“ Gegner kämpfen seit Jahren gegen Patente auf konventionell gezüchtete Tomaten, Sojapflanzen oder Paprika.

Das 2015 erteilte Patent EP 1515600 soll Tomaten mit einem hohen Gehalt an Flavonolen schützen, die als gesundheitsfördernd gelten. Es erstreckt sich auf die Pflanzen, das Saatgut und die Früchte. Die Erfindung bestehe nur darin, Tomaten aus ihrer Ursprungsregion in Peru mit handelsüblichen Sorten gekreuzt zu haben, kritisieren die Gegner.

Diese Patente sorgten für Ärger
Die „Harvard-Krebsmaus“
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Das Europäische Patentamt erteilte 1992 erstmals ein Patent auf ein Tier. Forscher der Harvard-Universität hatten der Maus menschliche Brustkrebsgene übertragen. An ihr sollten neue Therapiemethoden für den Menschen getestet werden.

(EP 169672)

„Embryonale Stammzellen“
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Das Patent wurde 1999 auf die Gewinnung tierischer und menschlicher embryonaler Stammzellen erteilt. Das Patent erstreckte sich aber auch auf die damit mögliche Züchtung von Embryonen sowie die Herstellung gentechnisch veränderter Tiere oder Menschen.

(EP 0695351)

„Brokkoli-Patent“
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Eine konventionell gezüchtete Brokkoli-Sorte wurde 2002 patentiert. Die Sorte hat einen hohen Anteil eines Stoffes, der krebshemmend wirken soll. Kritiker fürchteten, dass künftig jede Tier- und Pflanzenart patentiert werden könnte, wenn Züchtungen wie Brokkoli zu einer Erfindung erklärt werden.

(EP 1069819)

„Patent auf Schweine“
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Das Amt patentierte 2008 ein Verfahren, bei dem per Genanalyse die Zucht von Schweinen mit besserem Fleisch ermöglicht werden soll. Dabei wird ein Gen identifiziert, das für saftigeres Fleisch sorgen soll, das auch beim Braten weniger schrumpft.

(EP 1651777)

„Patente auf Schimpansen“
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Drei Patente auf genveränderte Schimpansen wurden 2012 vergeben. Bei zweien wurden DNA-Stücke von Insekten, Zecken und Krabben ins Erbgut geschleust. Sie spielen bei der Entwicklung von Krebstherapien eine Rolle. Beim dritten Patent wurde das Immunsystem der Schimpansen dem des Menschen angenähert. Damit sollten Antikörper-Therapien getestet werden.

(EP 1572862/EP 1456346/EP 1409646)

Nach europäischem Patentrecht dürfen konventionelle Züchtungsverfahren nicht patentiert werden. Die Große Beschwerdekammer als letzte EPA-Instanz hatte aber für eine andere, extrem wasserarme Tomate sowie einen Brokkoli grundsätzlich entschieden, dass Ansprüche auf Züchtungsverfahren nicht geschützt werden können, wohl aber auf Pflanzen, die daraus hervorgehen. Die Schrumpeltomate soll zur Herstellung von Ketchup dienen.

Laut EPA gibt es derzeit 81 Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen. Die Gegner sprechen von 180. Zahlreiche Verfahren werden derzeit abgearbeitet. Sie waren teils auf Eis gelegt worden, um die Grundsatzentscheidung zu Schrumpeltomate und Brokkoli abzuwarten.

  • dpa
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