Saboteure in Ägypten
Anschlag auf Pipeline stoppt Gas-Export nach Israel

Saboteure haben in Ägypten einen Anschlag auf eine Pipeline verübt, um den Export von Gas nach Israel zu stoppen. Israel will sich nun mehr auf heimisches Gas verlassen, die Stromversorgung ist aber wohl nicht gefährdet.
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Al-Arisch

Saboteure haben auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel einen Anschlag auf die Pipeline verübt, durch die ägyptisches Gas nach Israel exportiert wird. Augenzeugen sahen am Mittwoch nach einer Explosion eine riesige Rauchwolke über dem Gasterminal in der Ortschaft Al-Sabil im Norden der Halbinsel aufsteigen.

Der Anschlag unterbrach nach Angaben aus der benachbarten Stadt Al-Arisch nicht nur den Export nach Israel, sondern auch die Gaslieferungen nach Jordanien und in die ägyptische Stadt Port Said. Es sei niemand verletzt worden, sagte der Gouverneur der Provinz Nord-Sinai, Abdulwahab Mabruk. Armee und Feuerwehr brauchten vier Stunden, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

In Israels Infrastrukturministerium sowie der nationalen Stromgesellschaft wurden nach dem Anschlag Notstandsberatungen abgehalten, wie der israelische Armeesender meldete. Infrastrukturminister Uzi Landau sagte, er erwarte keine unmittelbaren Probleme mit der Stromversorgung in Israel. Aus Kreisen der Stromgesellschaft hieß es, man müsse nun aber möglicherweise auf weniger umweltfreundliche Energiequellen umsteigen.

Der israelische Vize-Außenminister Danny Ajalon sagte, Israel müsse sich künftig mehr auf heimische Gasquellen verlassen. "Die regionale Instabilität wird in der nahen Zukunft andauern, und wir müssen in Energiefragen unabhängiger werden", sagte Ajalon dem Sender.

Viele Ägypter lehnen Geschäfte mit dem jüdischen Staat ab, weil Israel arabische Gebiete besetzt hält. Es ist bereits der dritte Anschlag auf die Pipeline. Zuletzt hatten Gegner des Liefervertrages Anfang Februar die Wirren der Revolution ausgenutzt, um die Leitung zu beschädigen, was zu einem Lieferstopp von mehreren Wochen geführt hatte.

Die Kritiker des Vertrages hatten während der Amtszeit von Präsident Husni Mubarak bereits erfolglos versucht, den Gasexport nach Israel auf juristischem Wege zu stoppen. Der Vertrag war 2005 unterschrieben worden. Der Export durch die East Mediterranean Gas Company (EMG), an der Mubaraks Freund Hussein Salem beteiligt ist, begann 2008. Laut einer neuen Umfrage sind 54 Prozent der Ägypter gegen den 1979 geschlossenen Friedensvertrag ihres Landes mit Israel.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Saboteure in Ägypten: Anschlag auf Pipeline stoppt Gas-Export nach Israel"

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  • Nehmt das nicht so persönlich, ich habe gelesen daß ihr vor der Haustür Gas ohne Ende habt. Wo ist das Problem ?
    Es ist doch nicht euer Gas das in Ägypten brennt.

  • Das sind halt die Schwächen einer Demokratie. Es ist die Diktatur der Mehrheit. Sollte sich Ägypten für die Kündigung des Friedens mit Israel entscheiden, kann es wieder zu grausamen Kriegen kommen. Fair wäre es wenn nur diejenigen, die den Friedensvertrag kündigen wollen, in den Krieg ziehen würden. Leider opfern sie dadurch alle, auch ihre eigenen Kinder.

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