Saddam beigesetzt
„Nieder mit den Amerikanern“

Rund 24 Stunden nach seiner Hinrichtung ist der frühere irakische Diktator Saddam Hussein beigesetzt worden. Während die Mitglieder seines Stammes Abschied nahmen, wurden weitere Details über die Exekution bekannt. So rief Saddam bis zuletzt zum Kampf gegen Amerika auf.

HB TIKRIT/KAIRO. Der 69-Jährige sei im Morgengrauen am Sonntag im Beisein von mehreren hundert Mitgliedern seines Stammes in einem Familiengrab in seinem Heimatdorf Audscha nahe der Stadt Tikrit beigesetzt worden, berichteten Augenzeugen. In dem Grab liegen auch Saddams Söhne Kusai und Udai, die rund drei Monate nach dem Sturz des Regimes im Juni 2003 in einem Feuergefecht mit US-Soldaten getötet worden waren.

Der Sarg Saddams war in der Nacht mit einem US-Flugzeug von Bagdad zu einem Luftwaffenstützpunkt bei Tikrit, rund 175 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt, geflogen worden. Von dort wurde er ins Haus des Führers von Saddams Stamm, Scheich Ali al-Nada, gebracht. Dort nahmen Stammesangehörige Abschied von dem früheren irakischen Präsidenten, bevor der Sarg zum Friedhof von Audscha gebracht wurde. Unter den Trauergästen war laut Augenzeugen auch der Gouverneur der Provinz Salaheddin, deren Hauptstadt Tikrit ist.

Fotostrecke: Saddams Exekution

Der 69-Jährige war am Samstag gegen 6.00 Uhr Ortszeit in einem Gebäude des berüchtigten früheren Militärgeheimdienstes hingerichtet worden. Nachdem wenige Stunden danach erste Videoaufnahmen von der Hinrichtung gezeigt worden waren, wurden am Sonntag weitere Details bekannt. Die Zeitung „New York Times“ berichtete unter Berufung auf Augenzeugen der Exekution, Saddams letzten Worte seien gewesen: „Nieder mit den Verrätern, den Amerikanern, den Spionen und den Persern.“ Zuvor hatte er nach mehreren Berichten nochmals das islamische Schahada gesprochen: „La Allah illa Allah wa Mohammed Rasul Allah“ (Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet).

Der irakische Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai berichtete der „New York Times“, er habe Saddam kurz vor der Hinrichtung gefragt, ob er Schuldgefühle oder Angst habe. Saddam habe geantwortet: „Nein. Ich bin ein Soldat und ich habe keine Angst um mich selbst.“ Nach einem vom Nachrichtensender Al-Dschasira ausgestrahlten Video, das vom offiziellen Fotografen gemacht wurde, skandierten einige der Wächter im Raum Hochrufe auf den radikalen Schiiten-Prediger Moktada al-Sadr, einen der größten Gegner Saddams.

Über den Ort und den Termin der Beisetzung hatte zunächst Unklarheit geherrscht. Eine von Saddams Töchtern hatte die Absicht geäußert, ihren Vater zunächst im Jemen bestatten zu lassen. In der irakischen Regierung gab es Überlegungen, Saddam an einem geheimen Ort beizusetzen, um keinen Wallfahrtsort für seine Anhänger entstehen zu lassen. Die Führung seines Stammes hatte dagegen gefordert, der Sarg müsse mit einem US-Flugzeug nach Tikrit gebracht werden. Am Samstagabend war dann eine Delegation aus seinem Heimatort nach Bagdad gereist, um den Sarg zu begleiten.

Saddam war am 5. November zusammen mit seinem Halbbruder Barsan al-Tikriti und dem Ex-Richter Awad al-Bandar wegen des Massakers an 148 Schiiten in dem Ort Dudschail im Juli 1982 zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung der beiden Mitangeklagten wurde verschoben. Unklar ist noch, wann sie vollstreckt wird. Der Samstag solle „allein mit der Hinrichtung Saddams in historischer Erinnerung bleiben“, sagte Sicherheitsberater Al-Rubai.

In der muslimischen Welt - vor allem in Saudi-Arabien - war kritisiert worden, dass Saddam wenige Stunden nach Beginn des islamischen Opferfestes Eid Al-Adha hingerichtet wurde. Das Opferfest dauert noch bis Dienstag. Libyen ordnete am Samstag eine dreitägige Staatstrauer an. Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres verglich Saddams Hinrichtung am Sonntag mit dem Ende Adolf Hitlers. Der Tod des Ex-Diktators, der eine Gefahr für den Nahen Osten und den Weltfrieden dargestellt habe, sei wie der Hitlers vorhersehbar gewesen.

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