Saddam-Richter erneut ausgetauscht
Annan ruft zur Hilfe für Irak auf

In einem dramatischen Appell an die Weltgemeinschaft hat UN-Generalsekretär Kofi Annan mehr Unterstützung für den Irak gefordert. Im Irak setzte die irakische Regierung den Richter im Prozess gegen den Machthaber Saddam Hussein ab, weil dieser nicht neutral genug sei.

HB BAGDAD/NEW YORK. Er warnte vor einem vollständigen Absturz des Landes in den Bürgerkrieg. „Die Weltgemeinschaft ist möglicherweise nicht in der Lage, dem Irak zum Erfolg zu verhelfen. Aber sie garantiert sein Scheitern, wenn sie dem Irak nicht rechtzeitig und ausreichend hilft“, sagte Annan am Montag (Ortszeit) zum Auftakt einer Irak-Konferenz in New York.

Der UN-Generalsekretär appellierte an Iraks Nachbarn, die USA und andere UN-Mitgliedstaaten, bis Ende 2006 ein Fünf-Jahres-Programm zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes zu entwerfen. Der irakische Präsident Dschalal Talabani begrüßte den Plan als Instrument, das seiner Regierung und der internationalen Gemeinschaft erlaube, die jeweilige Rolle bei der Entwicklung des Landes zu definieren.

Unterdessen ging die Gewalt unvermindert weiter. Bei der Explosion von zwei Sprengsätzen wurden in der nordirakischen Stadt Scharkat am Mittwochabend 18 Menschen getötet. Das verlautete aus Sicherheitskreisen in der Provinzhauptstadt Tikrit. Zwölf weitere Iraker seien verletzt worden, hieß es.

Die irakische Regierung setzte am Dienstag den Richter im Völkermord-Prozess gegen den früheren Machthaber Saddam Hussein ab, weil dieser den Angeklagten nicht als Diktator bezeichnen wollte. Der Vorsitzende Richter Abdullah Alusch al-Amiri habe einen „Mangel an Neutralität“ gezeigt. Al-Amiri hatte in der Sitzung am vergangenen Dienstag zu Saddam gesagt: „Du bist kein Diktator.“

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Regierung einen von Saddams Richtern absetzt. Im ersten, noch nicht abgeschlossenen Prozess gegen Saddam wegen der Hinrichtung von 148 Schiiten in der Kleinstadt Dudschail im Jahr 1982 war der Vorsitzende Richter ausgetauscht worden, weil er Saddam und den anderen Angeklagten angeblich zu viel Raum für politische Einwürfe gelassen hatte.

In dem Völkermord-Prozess hatte ein Zeuge am Dienstag geschildert, mit welchen Methoden das Regime kurdische Flüchtlinge nach Giftgas- Angriffen auf ihre Dörfer zurück in den Irak gelockt hatte. Nachdem die Menschen aus den verseuchten irakischen Dörfern in den Iran geflohen seien, habe die Armee Flugblätter abgeworfen, auf denen jedem Kurden, der wieder zurückkehre, ein Stück Land versprochen worden sei, sagte der Zeuge vor dem Sondertribunal in Bagdad. Doch anstatt ihr Versprechen einzulösen, habe die Armee die Kurden nach ihrer Rückkehr in ein Gefangenenlager in der Stadt Erbil gebracht.

Saddam und sechs weitere ehemalige Funktionäre müssen sich vor einem Sondertribunal wegen der „Anfal“-Militärkampagne verantworten. Bei dem Feldzug waren in den Jahren 1987 und 1988 bis zu 100 000 Kurden getötet worden.

Das Komitee für den Schutz von Journalisten (CPJ) in New York berichtete unterdessen, Extremisten hätten am Montag in der westirakischen Stadt Ramadi Ahmed al-Karbuli (25), einen Reporter des Senders Bagdad TV, ermordet. Der Fernsehsender gehört der sunnitischen Islamischen Partei, die für einen raschen Abzug der US- Truppen aus dem Irak eintritt. Die US-Armee meldete derweil, ein amerikanischer Soldat sei am Dienstag bei einem Anschlag in Mossul getötet worden. Bereits am Sonntag seien zwei US-Soldaten in Bagdad getötet worden.

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