Säbelrasseln in Caracas

Opposition fordert Regierung heraus

Die Opposition Venezuelas droht mit Generalstreik und einem Marsch auf den Präsidentenpalast, die Regierung ruft dagegen den Verteidigungsrat zusammen. Dabei wollten beide Seiten gerade wieder miteinander reden.
Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro (Mitte) rief den nationalen Verteidigungsrat zusammen. Quelle: dpa
Ärger in Venezuela

Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro (Mitte) rief den nationalen Verteidigungsrat zusammen.

(Foto: dpa)

CaracasDie verfeindeten Lager in Venezuela lassen die Muskeln spielen: Die Opposition kündigte am Mittwoch einen Generalstreik an und drohte mit einem Marsch auf den Regierungssitz. Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro rief den Nationalen Verteidigungsrat zusammen und schwor seine Anhänger auf die Verteidigung der bolivarischen Revolution ein.

Hunderttausende Regierungsgegner protestierten in der Hauptstadt Caracas und im ganzen Land gegen den Stopp der Vorbereitungen für ein Referendum zur Abwahl Maduros. Auch die sozialistischen Chavisten - Anhänger des gestorbenen Ex-Präsidenten Hugo Chavez - gingen auf die Straße. Vereinzelt kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen. „Wir haben 120 Verletzte und 147 Festgenommene“, sagte Oppositionsführer Henrique Capriles.

Raubüberfälle, Plünderungen und Lynchmobs
Maria Arias
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„Ich habe jeden Tag Angst“, sagt die 14-Jährige. „Das Herz rutscht mir in die Hose und ich denke: Mein Gott, die Schule sollte doch ein sicherer Ort sein.“ Optisch erinnern die Lernanstalten in Venezuela eher an großstädtische Busbahnhöfe: schmutzig, nach Urin stinkend und voll mit Menschen, die auf etwas warten, das vielleicht nicht kommt.

Mit ihren Freundinnen
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Die steigende Kriminalität und das wirtschaftliche Chaos in Venezuela greifen inzwischen auch auf das einst gut funktionierende Schulsystem über. Kinder aus armen Familien wie Maria verlieren jede Chance auf ein besseres Leben. Offiziell fielen landesweit seit Dezember 16 Unterrichtstage wegen einer Energiekrise aus. Doch nach Schätzung einer Elternorganisation waren es im Durchschnitt 40 Prozent aller Schulstunden.

Zuhause bei Maria
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Kürzlich wurde Maria von ihrer Mutter gebeten, die Kunststunde ausfallen zu lassen und stattdessen zu einem Laden zu gehen, in dem es Mehl zu kaufen gab. Doch als das Mädchen dort eintraf, waren die Vorräte schon wieder ausverkauft. Maria raste zurück in die Schule, um am Nachmittag eine Mathearbeit zu schreiben. Doch der Lehrer erschien erst gar nicht.

Hunger begleitet die Kinder
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Ein Drittel der verarmten Lehrer kommt nicht zum Dienst und reiht sich stattdessen in Warteschlangen bei Essensausgaben ein. An Marias Schule wurden so viele Jungen und Mädchen wegen Hungers bewusstlos, dass die Schulleitung die Eltern aufrief, unterernährte Kinder zu Hause zu lassen.

In ihrem Zimmer
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Schon die erste Stunde um sieben Uhr fällt aus, weil sich der Kunstlehrer krank gemeldet hat. Auch Geschichte findet nicht statt, Sport ohnehin nicht, nachdem der Lehrer vor ein paar Wochen erschossen wurde. Am Nachmittag entlässt der Spanisch-Lehrer die Schüler vorzeitig, damit diese nicht gegen eine von den Straßengangs verordnete Ausgehsperre verstoßen.

„Wir sitzen in der Falle“, sagt Maria. „Wir riskieren unser Leben, um hierher zu kommen und müssen dann stundenlang untätig warten. Aber man muss weiter zur Schule gehen, weil sie der einzige Ausweg ist.“

In der Schule
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Die Schülerin bemerkt bitter, dass die U-Bahn das günstigste sei, was man in Caracas kaufen könne: Man bezahle für eine Fahrkarte und werfe sich vor den Zug – dann seien alle Probleme vorbei.

Mit Landesflaggen, weißen Hemden und Ausgaben der Verfassung in den Händen zogen die Demonstranten durch die Hauptstadt. „Lieber sterbe ich hier, als weiter in einer Diktatur zu leben“, sagte die Studentin Carmen Flores. Die Regierungsgegner skandierten: „Sie wird stürzen, sie wird stürzen, diese Regierung wird stürzen.“

Ursprünglich wollte die Opposition am Mittwoch Unterschriften von 20 Prozent der Wahlberechtigten für eine Volksabstimmung zur Abwahl des Präsidenten sammeln. Die Wahlbehörde hatte das Verfahren in der vergangenen Woche allerdings überraschend gestoppt.

Damit rückt ein Machtwechsel in dem südamerikanischen Land in weite Ferne. Wenn nämlich das Referendum erst nach dem 10. Januar kommenden Jahres stattfinden sollte, würden die regierenden Sozialisten laut Verfassung auch im Falle einer Niederlage Maduros bis zum Ende der Amtszeit an der Macht bleiben.

Schwere politische und wirtschaftliche Krise
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