Saif al-Islam
Gaddafis widersprüchlicher Lieblingssohn

Die Meldungen über sein Schicksal waren in den vergangenen Wochen so widersprüchlich wie das ganze Leben von Saif al-Islam. Nun ist Saif al-Islam offiziell festgenommen worden. Lange wurde er vom Westen hofiert.
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BerlinLange Zeit galt der 1972 geborene zweitälteste Sohn von Muammar al-Gaddafi als das liberale Gesicht des Despotenclans - smart, eloquent, weltmännisch. Der Lieblingssohn des Revolutionsführers studierte in Tripolis, Wien und London Architektur und Wirtschaft, besaß mehrere Unternehmen, war gern gesehener Gast in der westeuropäischen Society und redete oft von Reformen.

Was davon zu halten war, zeigte sich, als der Umsturz in Libyen begann. Anfang Februar trat der Mann mit der hohen Stirn und der Brille plötzlich als Scharfmacher in Tripolis ins Rampenlicht. Kühl warnte Saif al-Islam, dessen Vorname mit „Schwert des Islam“ übersetzt wird, vor einem Islamisten-Staat, vor Chaos und Bürgerkrieg, falls der Aufstand nicht beendet werde.

Seither galt Saif al-Islam als Sprachrohr des Regimes, als Einpeitscher, der sich immer wieder mit Durchhalteparolen zu Wort meldete. Seinen letzten großen Auftritt hatte er Ende August, als er kurz nach der Eroberung von Tripolis durch die Rebellen mitten in der Nacht vor einem internationalen Hotel auftauchte und vor Journalisten den Sieg des Gaddafi-Regimes verkündete. Später verteufelte er aus dem Untergrund noch die Gegner des alten Regimes: „Geht zur Hölle Ihr Ratten und Nato“ rief er in einer im Oktober veröffentlichten Audio-Botschaft.

Bis zum Schluss wurde vermutet, dass sich Saif al-Islam an der Seite seines am 20. Oktober in der Heimatstadt Sirte getöteten Vaters versteckt hielt. Saif al-Islam war der letzte noch in Libyen flüchtige Gaddafi-Sohn. In den vergangenen Wochen war mehrfach gemeldet worden, er sei entweder getötet oder festgenommen worden.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes fordert seine Auslieferung nach Den Haag. Gegen Saif al-Islam liegt ein internationaler Haftbefehl wegen schwerer Kriegsverbrechen vor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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