„Sam Bacile“
Amerika sucht den Anti-Islam-Filmer

Mit seinem Hetzfilm gegen den Propheten Mohammed löste er die Gewaltwelle im Nahen Osten aus. Seitdem ist er abgetaucht. Laut US-Medien könnte es sich bei dem Mann um einen verurteilen Betrüger handeln. Eine Spurensuche.

New YorkAmerika jagt ein Phantom. Der Mann nennt sich mal Sam Bacile, mal Sam Bassiel, mal Sam Basseley. Er ist mal 52, mal 56 Jahre alt, und seit Mittwoch ist er abgetaucht. Bacile will der Autor jenes Anti-Islam-Films sein, der die Gewalt gegen US-Vertretungen in Ägypten, Libyen und im Jemen mit auslöste, in deren Verlauf Botschafter Christopher Stevens starb. Heerscharen von US-Journalisten versuchen nun Bacile aufzustöbern – doch je weiter man sich mit ihm beschäftigt, desto rätselhafter wird der Fall.

Zunächst hatte sich der Mann am Dienstag in telefonischen Interviews mit der Nachrichtenagentur AP und dem „Wall Street Journal“ als amerikanisch-israelischer Immobilienentwickler aus Kalifornien ausgegeben. Er habe einen „politischen Film“ gegen das „Krebsgeschwür“ Islam drehen wollen, behauptete Bacile. Für die Produktion habe er fünf Millionen Dollar von jüdischen Spendern erhalten. Das Video stellt den Propheten Mohammed als Homosexuellen, Kinderschänder und Schürzenjäger dar. Auch in Deutschland soll sein Film bald zu sehen sein, geht es nach der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro Deutschland, die dies am Mittwoch auf ihrer Internetseite ankündigte.

Die Aussagen des vermeintlichen Urhebers aus den USA werfen nun jedoch mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. Denn laut Recherchen mehrerer US-Medien findet sich in keinem Telefonverzeichnis ein Sam Bacile. Außerdem hat sich bislang noch keine jüdische Gemeinde in den USA gemeldet, die den Mann kennt. Das israelische Außenministerium teilte mit, es gebe keinen Staatsbürger unter diesem Namen. „Dieser Mann ist vollständig anonym“, teilte ein Sprecher mit.

Gemeldet hat sich allerdings der kalifornische Anti-Islam-Aktivist Steve Klein. Er behauptet, Bacile beim Drehbuch beraten zu haben. „Er ist sehr niedergeschlagen und wütend“, sagte Klein am Mittwoch dem dem TV-Seder CNN über Bacile. „Ich habe heute morgen mit ihm gesprochen, und er sagte, er sei sehr besorgt darüber, was dem Botschafter zugestoßen sei“. Bacile sei nun untergetaucht, so Klein. Seinen richtigen Namen kenne er nicht.

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