Samaras trifft Merkel in Berlin
Der Griechen-Austritt kann kommen

Der griechische Premier will heute bei der Kanzlerin um Zugeständnisse bitten. Ob ihm diese gewährt werden, ist fraglich. Da nützen auch Drohungen nichts. Die Euro-Retter sind bereits für das Schlimmste gewappnet.
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BerlinDie Griechenland-Debatte erreicht heute einen neuen Höhepunkt – bei einem Spitzentreffen in Berlin. Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras kommt  um die Mittagszeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen. Der Grund seines Besuches ist klar. Samaras will um einen Aufschub bei den Sparvorgaben für sein krisengeschütteltes Land bitten. Merkel lehnt allerdings Lockerungen bei den Reformauflagen sowie ein drittes Hilfspaket bisher ab.

Berlin ist ohnehin im Vorteil, da inzwischen keine Drohung mehr aus Athen für Aufregung sorgen kann. Die Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone, die Samaras erst diese Woche in düstersten Farben dargestellt hat, haben die Euro-Retter längst auf ihrer Krisenagenda.

Kein Wunder also, wenn jetzt auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) erklärt, dass die europäische Währungsunion einen Austritt Griechenlands aus dem Euro verkraften würde. Er gehe davon aus, "dass es für den Euro kein Problem wäre", sagte Kauder im ZDF-"Morgenmagazin". Mit den Rettungsschirmen habe die Währungsunion "erhebliche Möglichkeiten, damit eine Ansteckung nicht stattfindet".

Ähnlich hatte sich vor kurzem auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) geäußert, als er sagte, einen Griechen-Exit habe längst seinen Schrecken verloren. Damals hatte Rösler viel Kritik einstecken müssen.

Nun ist es so, dass die Vorbereitungen der Bundesregierung für einen Griechen-Exit sogar schon konkreter sind als bislang bekannt. Wie die "Financial Times Deutschland" aus dem Bundesfinanzministerium erfuhr, befasst sich eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Staatssekretär Thomas Steffen mit den Folgen eines möglichen Austritts für Deutschland und den gesamten Währungsraum. "Die Kollegen stellen Berechnungen über die finanziellen Folgen an und überlegen, wie sich ein Dominoeffekt auf die anderen Euro-Staaten verhindern lässt", hieß es im Ministerium.

Ein Sprecher von Minister Wolfgang Schäuble sagte der Zeitung: "Es gibt einen Arbeitsstab, der sich schwerpunktmäßig um die Staatsschuldenkrise kümmert." Es sei richtig, dass sich eine Regierung auf alle Szenarien vorbereite, auch auf unwahrscheinliche.

Ähnliches gilt schon für die gesamte Euro-Zone. Das hatte am vergangenen Wochenende die „Welt am Sonntag“ berichtet. Demnach laufen derzeit Vorbereitungen für einen möglichen Griechenland-Austritt aus der Euro-Zone. Der dauerhafte Rettungsschirm ESM könnte demnach in einer Allianz mit der Europäischen Zentralbank (EZB) Staatsanleihen von Italien und Spanien kaufen und diese Länder so stützen.

Bei Irland und Portugal werde geprüft, ob die laufenden Rettungsprogramme aufgestockt werden müssten, um die Staaten vor den Auswirkungen einer Griechenland-Pleite zu schützen. Bevor der ESM eingesetzt werden kann, muss jedoch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 12. September abgewartet werden.

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  • Würde der griechische Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Griechenland hätte dann einfach keine Schulden und wir keine Krise.

    Aber so verdienen immer nur die Banken auf Kosten der Steuerzahler. Ein einzigartiges Betrugssystem.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.

  • @Anonym
    Der € geht nicht kaputt, weil NICHT gerettet wird.
    Er geht kaputt, WEIL gerettet wird.

  • Bitte mal googeln. Die Medien sind voll von Infos darüber. Überall wird nacktes Entsetzen verbreitet. Sie werden es bestimmt finden.

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