Sambia
Rätselhafte Festnahme wegen London-Terror

Nach der Festnahme eines Briten indischer Herkunft und moslemischen Glaubens in dem afrikanischen Staat Sambia hat die Londoner Polizeibehörder Scotland Yard Hoffnungen gedämpft, es könnte sich um einen Hintermann der Terroranschläge auf das Nahverkehrssystem der britischen Hauptstadt handeln.

HB LUSAKA/LONDON. Eine Sprecherin von Scotland Yard sagte am Freitag: "Das ist alles Spekulation und nichts, was wir im Augenblick diskutieren wollen". Der Nachrichtensender "Sky News" berichtete unter Berufung auf Ermittler, der in Sambia festgenommene Haroon Rashid Aswat (30) sei "im Moment kein Verdächtiger".

Nach US-Medienberichten wurde Aswat, ein britischer Staatsbürger, in Südafrika nach amerikanischen Polizeihinweisen aufgespürt und befindet sich nun in Sambia in Gewahrsam. Das Außenministerium in London bestätigte, dass es sich darum bemühe, Zugang zu einem britischen Staatsbürger zu bekommen, der sich in dem afrikanischen Land in Haft befinde, nannte jedoch keinen Namen.

Nach Medienberichten hielt sich Aswat Wochen vor den Londoner Anschlägen in Südafrika auf und stand dort wegen des Verdachts, den Aufbau eines Ausbildungslagers für Terroristen im US-Bundesstaat Oregon mitgeplant zu haben, unter amerikanischer Überwachung. Die US-Ermittler hätten Südafrika gebeten, Aswat festnehmen zu dürfen. Die Regierung in Pretoria habe dieses Ansinnen an Großbritannien weiter geleitet, das sein Veto eingelegt habe.

Britische Medien hatten Aswat wiederholt als "britischen El-Kaida-Führer" bezeichnet. Die Londonder "Times" berichtete, Aswat sei zwei Wochen vor den Anschlägen vom 7. Juli in Großbritannien eingetroffen, um die Vorbereitungen des Verbrechens zu leiten. Bei den Attentaten waren 52 Menschen getötet und etwa 700 weitere verletzt worden. Wenige Stunden vor der Tat soll Aswat das Land wieder verlassen haben. Er sei westlichen Geheimdiensten seit mehr als drei Jahren bekannt.

Unterdessen hat Scotland-Yard-Chef Ian Blair den Kollegen der Birminghamer Polizei vorgeworfen, bei der Festnahme des verhinderten Selbstmordattentäters Yasin Hassan Omar in der zweitgrößten englischen Stadt ein "unglaubliches Risiko" eingegangen zu sein. Der Stromstoß der Elektroschock-Pistole ("Taser"), die Omar außer Gefecht gesetzt hatte, hätte die Bombe auslösen können. Blair verteidigte erneut die tödlichen Schüsse auf den unschuldigen Brasilianer Jean Charles de Menezes. Es gebe letztlich nur eine Möglichkeit, einen Selbstmordattentäter zu stoppen und die bestehe darin, ihn zu töten.

Der Scotland-Yard-Chef zeigte sich zuversichtlich, die drei noch flüchtigen Verdächtigen der fehlgeschlagenen Anschläge der vergangenen Woche zu fassen. "Wie bald das sein wird, weiß ich nicht. Aber ich bin ziemlich sicher, dass das Netz sich schließt", sagte Blair. Die Polizei wertet derzeit rund 15.000 Bänder von Fernsehüberwachungsanlagen und 1800 Zeugenaussagen aus. Zusätzlich gingen etwa 5000 Anrufe in der Anti-Terror-Hotline der Ermittler ein.

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