„Sanfte Restrukturierung“
Euro-Länder tüfteln an neuem Rettungsplan für Athen

Lange zögerten sie, nun wollen die Euro-Länder den Niedergang des hoch verschuldeten Griechenlands stoppen. Doch die EZB mauert gegen einen neuen Rettungsplan, den es so noch nicht gab.
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BrüsselNach langem Zögern fassen die Euro-Länder nun doch eine Umschuldung Griechenlands ins Auge. Wenn das Euro-Land seine Verschuldung durch rasche Privatisierungen abbaue, könnte eine "sanfte Restrukturierung" möglich sein, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Dienstag in Brüssel. Der Schuldenberg des Landes sei inzwischen überhaupt nicht mehr tragbar. Bisher hatte die Euro-Zone offiziell jegliche Umschuldung in Griechenland abgelehnt. Am späten Montagabend hatte Juncker jedoch erstmals von einer "Neuprofilierung" der Schulden gesprochen. Finanzanalysten verstehen darunter zum Beispiel eine Verlängerung von Laufzeiten.

EZB-Führungsmitglied Ewald Nowotny hält nichts von dem Juncker-Plan. Auf den von dem Eurogruppenchef geprägten Begriff „Reprofiling“ angesprochen, sagte der österreichische Notenbankchef: „Ich glaube nicht, dass man darunter eine sanfte Umschuldung verstehen kann.“ Es gehe zunächst darum, dass Griechenland auf dem Weg zur Sanierung der Staatsfinanzen konsequent weitergehe. „Das betrifft vor allem das Programm einer sehr weitgehenden Privatisierung“, sagte Nowotny. Zur Diskussion stehe allerdings auch die Frage, wie lange das internationale Hilfsprogramm für Griechenland dauern solle. „Und unter Umständen auch die Frage der Zinsbelastung“, fügte Nowotny hinzu.

Griechenland zeigte sich dagegen offen für eine sanfte Umschuldung. „Eine mögliche Lösung kann die Verlängerung der Laufzeiten auf freiwilliger Basis sein unter Beteiligung aller“, sagte die griechische Arbeitsministerin Louka Katseli. Zuvor hatte sich Vize-Außenminister Spyros Kouvelis ähnlich über die Option einer weichen Umschuldung geäußert. „Wenn es nötig ist, werden wir natürlich bereit sein, über solche Dinge zu sprechen“, sagte der Politiker in Peking. „Es wird Szenarien geben, die wir uns bei Bedarf ansehen müssen.“ Er sagte weiter: „Aber ich denke, das ist eine größere Frage für die gesamte Euro-Zone, die von der Euro-Gruppe angegangen werden muss.“

Dessen ungeachtet belastete schon die Ankündigung einer Umschuldung den Euro. Die Gemeinschaftswährung gab um auf 1,4160 Dollar nach. Tageshoch war bis dahin ein Wert von 1,4225 Dollar.

Juncker betonte, das Land könne mit dieser Erleichterung aber erst rechnen, wenn es selbst mit Privatisierungen von Staatsbesitz die Schulden schnell genug abbaut und seine Wirtschaft mit Reformen flott macht. Griechenland habe sich zu noch mehr Einsparungen verpflichtet.

Die Euro-Finanzminister fassen nun offenbar eine sanfte Entschuldung ins Auge, die sie "Neuprofilierung" der Schulden nennen. Was das genau ist, blieb zunächst unklar. "Das ist eine beachtliche Änderung bei der öffentlichen Stellungnahme eines führenden Euro-Politikers", kommentierten die Volkswirte von JP Morgan die Äußerungen. Doch sei die Strategie wohl nach wie vor umstritten. Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde bestritt, dass es Änderung an Anleihelaufzeiten geben könnte. Jegliche Umschuldung oder Neufestlegung von Laufzeiten sei vom Tisch, sagte sie. Die Finanzmärkte trauen Griechenland seit längerem nicht zu, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Eine Rückkehr an den Kapitalmarkt zu bezahlbaren Zinsen 2012 gilt als ausgeschlossen.

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  • Seit Beginn der Krise fortwaehrende Aneinanderreihung von Worthuelsen, ausschliesslich gilt es Zeit bis zum D-Day zu gewinnen. Oder day after. Denen faellt nichts mehr ein.
    Die "Sprueche" gilt es als Krisenszenario zu bewerten. Hoechst beunruhigend.. Falls ihr Otto-Normalsparer sein Geld nehmt, seid ihr "reif". Soviele Karibik-Luxusinseln gibt es nicht.

  • Wir werden in den kommenden Monaten wohl die verrücktesten Zeiten nach ende des 2. Weltkrieges erleben. Der US-Dollar steht gemeinsam mit dem Euro am Abgrund. Man darf gespannt sein welche kostspieligen Gemeinheiten man dem Volk bis zum bitteren ende auf´s Auge drückt. Die westlichen Industrieländer tragen den Bankrott seit 3 Jahren wie Bleisäcke vor sich her. Zu guter Letzt wird alles nichts nützen u. der System-Bankrott stehen. Wer heute zwischen 50 u. 60 Jahre alt ist u. schon 30 Jahre u. länger in die Sozialsysteme eingezahlt hat, wird feststellen, dass alles umsonst war u. von korrupten macht-geilen Politikern verfrühstückt wurde. Es ist wirklich verwunderlich wie das brave Michl-Schaf alles kritiklos über sich ergehen lässt. Wann kommt der Aufstand auf die Straße?

  • Was auch immer in dieser korrupten Runde "getüftelt" wird - es ist schlecht für den Bürger !!!!!!!!!
    Hoch leben die Bankster und die verlogenen Politiker !!!

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