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24.10.2006 
EU verzichtet zunächst auf Verbote

Sanfter Kampf gegen harten Alkohol

Nach dem Tabakkonsum sagt die EU-Kommission dem Alkoholmissbrauch den Kampf an: Gesundheitskommissar Markos Kyprianou sprach sich am Dienstag in Straßburg für einen verstärkten Schutz Minderjähriger und eine bessere Aufklärung der Verbraucher über die Folgen exzessiven Trinkens aus.

HB BRÜSSEL. Anders als die Tabakindustrie müssen sich die Getränkehersteller aber nicht auf EU-weite Werbeverbote oder Auflagen einstellen. Kyprianou legte am Dienstag die ersten EU-Pläne gegen die Gefahren des Alkoholkonsums vor. Er ermunterte darin die Mitgliedstaaten und die Industrie lediglich zu freiwilligen Schritten. Strategien dazu will die Kommission aber aktiv vorantreiben. Von den Getränkeherstellern und Verlegern gefürchtete Werbeverbote wie bereits gegen Tabak sind nicht in dem Plan enthalten. Jedes Jahr sterben nach Angaben der Kommission knapp 200 000 Menschen in der EU an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums.

Alkoholexzesse, trinkende Minderjährige und Alkohol am Steuer seien echte Probleme, sagte Kyprianou. Er habe nichts gegen mäßigen Alkoholkonsum, doch Missbrauch verursache hohe Schäden. Er forderte die Branche auf, ihre Zusagen einzulösen. So sollten Jugendliche nicht direkt in der Werbung angesprochen und zum Alkoholkonsum ermuntert werden.

Deutsche Brauer unzufrieden

Die deutschen Brauer lehnten die EU-Pläne ab. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Peter Hahn, sagte, die Vorschläge bedeuteten „nichts anderes als die Verhängung von Werbeverboten, wenn auch in diplomatisch unverbindlichem EU-Chinesisch formuliert“.

Die Kommission betonte dagegen, sie wolle lediglich eine Diskussion über Wege anregen, um etwa Jugendliche und Kinder vom Alkohol fern zu halten. Entscheidungen blieben in nationaler Verantwortung der 25 Euro-Staaten. Auch eine Pflicht zu Warnhinweisen auf Bier- oder Schnapsflaschen ist nicht geplant. Allerdings will die Kommission eine europaweite Debatte darüber in Gang bringen. Noch sei es zu früh, um solche Initiativen zu bewerten, sagte Kyprianou. Sie seien aber interessant.

Im Gegensatz zu den deutschen Bierbrauern reagierte der Verband europäischer Spirituosenhersteller (CEPS) positiv. Trotz Bedenken bei einigen Vorschlägen der Kommission sei die EU-Behörde insgesamt auf dem richtigen Weg, erklärte ihr Generaldirektor Jamie Fortescue. Die Hersteller wollten ihren Teil zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol beitragen. Der Verband hat sich bereits selbst verpflichtet, dass bis 2010 drei Viertel aller Werbespots oder Anzeigen einen Hinweis auf den richtigen Umgang mit Alkohol enthalten sollen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vor allem junge Männer gefährdet

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