Sanierungsfälle
Spanien schafft Bankenrettungsfonds

Auch Spaniens Finanzinstitute können ab heute auf staatliche Kapitalspritzen zählen. Die Regierung kreierte am Freitag per Gesetzesdekret den „Fonds zur geordneten Bankenrestrukturierung“ (FROB). Dieser soll die Konsolidierung des überdimensionierten und an hohen Kreditausfällen leidenden Finanzsektors durch milliardenschwere Kapitalhilfen unterstützen.

MADRID. Mehr als andere Länder legt Spanien allerdings Wert darauf, dass zunächst eine rein privatwirtschaftliche Lösung für mögliche Sanierungsfälle gesucht wird. Zudem wird jegliche staatliche Finanzhilfe nur als Kredit und unter strengen Auflagen gewährt.

Der FROB ergänzt zunächst die Arbeit des privatwirtschaftlich finanzierten Einlagensicherungsfonds, der in Spanien traditionell auch die Aufgabe hat, schwache Banken in Zusammenarbeit mit der Zentralbank zu sanieren und zu intervenieren. Der FROB kann dem Einlagengarantiefonds entweder zusätzliche Mittel als Kredit bereitstellen, oder auf Basis eines von der Zentralbank erstellten Restrukturierungsplans selbst tätig werden.

Der Fonds ist mit neun Mrd. Euro ausgestattet, wovon drei Viertel der Staat und der Rest der Einlagensicherungsfonds beisteuern. Für zusätzliche Mittel bis zu 90 Mrd. Euro werden staatliche Kreditgarantien bereitgestellt – bis zu 27 Mrd. Euro dieses Jahr. Alle vom FROB bereitgestellten Mittel müssen innerhalb von sieben Jahren zurückgezahlt werden. Ist das nicht möglich, übernimmt der Fonds entsprechende Beteiligungen an dem Kreditinstitut.

Verwaltet und geführt wird der Rettungsfonds von einem achtköpfigen Führungsgremium, fünf davon stellt die spanische Zentralbank, drei der Einlagengarantiefonds. Dem Gremium sitzt der Vizegouverneur der Zentralbank, Javier Aristegui, vor. Wirtschaftsstaatssekretär José Manuel Campa muss zudem alle drei Monate vor dem Parlament Rechenschaft ablegen.

„Die fundamentale Rolle, welche die spanische Zentralbank spielen wird, garantiert die Effizienz und Rationalität“ des Fonds, meint José Luis Martínez, Makrostratege bei Citi in Madrid. In der Tat hat die Zentralbank weitreichende Kompetenzen. So muss jegliche Kapitalspritze des FROB auf einem Aktionsplan der Zentralbank beruhen, die dabei auch die gesamte Führung des jeweiligen Instituts ersetzen darf.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%