Sanktionen gegen Russland
China ist der lachende Dritte

Die Spirale der gegenseitigen Sanktionen dreht sich. Der Westen bestraft Russland, Russland rächt sich mit Importstopps. Das Spiel kennt viele Verlierer, aber auch Gewinner: China etwa exportiert mehr Obst und Gemüse.
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PekingDie chinesische Landwirtschaft profitiert bereits von dem Importstopp, den Russland für europäisches Obst und Gemüse verhängt hat. Mehrere große Hersteller sehen bereits einen erhöhten Auftragseingang. Die Regierungen der nördlichen Grenzprovinzen haben derweil flink reagiert: Sie unterstützen die Lieferung in den wachsenden Ausfuhrmarkt, indem sie neue Infrastruktur schaffen.

Die Stadt Dongning zum Beispiel, eine chinesische Nachbarstadt von Wladiwostok, baut gerade hastig ein neues Großhandelszentrum, wie die Regierung der Provinz Heilongjiang mitteilt. Vereinfachte Zollformalitäten sollen die Abfertigung der Frischware dort erheblich beschleunigen.

China ist der größte Agrarproduzent weltweit. Das Land führt zwar selbst unterm Strich Lebensmittel ein, exportiert aber auch in großem Stil: Die Bauernhöfe des Landes stellen die Hälfte des weltweit verzehrten Gemüses und ein Drittel aller Früchte her.

„Embargo bringt China enorme Chancen“

Die großen Anbieter hoffen nun im Handelskrieg mit der EU auf besonders gute Geschäfte mit Russland. „Das Embargo bringt der chinesischen Landwirtschaft enorme Chancen“, sagt Lu Zuoqi von Shandong Goldfarmer, dem chinesischen Marktführer für Äpfel und Knoblauch.

China könne nach einer Anlaufphase einen nennenswerten Teil dessen Ausgleichen, was Russland nun an Importen aus der EU fehle, glaubt Lu. Südamerika sei dagegen viel weiter von Russland entfernt und hätten geringere Kapazitätsreserven. China und Russland teilen eine 4000 Kilometer lange Grenze im fernen Osten plus einen zusätzlichen Berührungspunkt mit der Provinz Xinjiang, der gar nicht mehr weit von den wichtigen Bevölkerungszentren wie Moskau entfernt liegt.

Die chinesischen Eisenbahnlinien und Autobahnen sind gut ausgebaut – es hapert eher auf der russischen Seite. Die Landroute bis zu den Großhandelszentren dauert etwa 20 Tage.

Die russischen Importpartner der Chinesen haben offenbar früh geahnt, was auf sie zukommt: Höhere Bestellungen sind bereits ab April eingegangen. Der entscheidende Engpass sei jetzt der Transportweg selbst, sagt Agrar-Manager Lu dem Branchendienst Freshfruitportal. Die Eisenbahnverbindungen zwischen China und Russland sind in vergleichsweise schlechtem Zustand. Beide Seiten erwarten nun, dass vor allem Russland mehr in die Infrastruktur investiert, was dem gegenseitigen Handel auch langfristig nützen dürfte.

Chinesische Branchenexperten schätzen, dass Russland in diesem Jahr rund 700.000 metrische Tonnen mehr Obst abnimmt als im Vorjahr.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Sanktionen gegen Russland: China ist der lachende Dritte"

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  • Die Chinesen und andere Asiaten enschließlich Indien werden noch in ganz anderen Bereichen schnell "ausgleichen", da wo es uns richtig weh tut. Dank der ausgelagerten "Werkbänke" unserer Industrie in diesen Ländern schnell möglich. Vor allem die sekundären Auswirkungen durch nachlassende EU Nachfrage wird schön geredet, die sanktionieren doch auch und bestellen dadurch bei uns weniger. Wir suhlen uns ja geradezu im jetzigen und zukünftigen angeblichen Leid der Russen. Was ist mit den wirklichen Folgen für uns?

  • "China könne nach einer Anlaufphase einen nennenswerten Teil dessen Ausgleichen, was Russland nun an Importen aus der EU fehle, glaubt Lu."

    Billiger wird das sicherlich nicht für die Russen, denn wenn die Ware in der Qualität vergleichbar wäre und der Preis billiger, was hat dann die Russen abgehalten, nicht vorher schon in China zuzugreifen? In China sind Nahrungsmittel wie etwa Fleisch nicht wesentlich günstiger als in der EU - die Qualität ist allerdings "durchwachsen".

  • ich habe nichts anderes erwartet :-)

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