Sanktionen werden noch zurückgehalten
UN-Sicherheitsrat untersucht Entwicklung im Sudan

Der Weltsicherheitsrat hat sich am Mittwoch ausführlich über die jüngsten Entwicklungen im Suden unterrichten lassen. UN-Generalsekretär Kofi Annan will die andgedrohten Sanktionen noch zurückhalten. Unterdessen wurden die Einreisebedigungen für humanitäre Helfer aus dem Ausland gelockert.

HB NEW YORK/GENF/BERLIN. Zuvor ließ UN-Generalsekretär Kofi Annan durchblicken, dass der Sicherheitsrat die angedrohten Sanktionen gegen Khartum wegen der schweren Krise in der Provinz Darfur vorerst noch zurückhalten will. Der UN-Beauftragte für den Sudan, Jan Pronk, erklärte, dass sich die Lage durch die erleichterten Einreisebedingungen für humanitäre Helfer zumindest in einem Punkt verbessert habe. Pronk überwacht für die Vereinten Nationen im Sudan, ob Khartum das mit Annan unterzeichnete Abkommen umsetzt.

In Genf werden an diesem Donnerstag Vertreter der Afrikanischen Union (AU) und der Darfur-Rebellen zusammenkommen. Es gehe darum zu erörtern, unter welchen Bedingungen die Rebellen an Friedensverhandlungen teilnehmen würden, teilte das Henri-Dunant- Zentrum für humanitären Dialog (HDC) mit, das seit vergangenem Juli in dem Konflikt vermittelt. Auch Vertreter der Vereinten Nationen und des Tschad würden zu dem Treffen erwartet.

Die arabischen Milizen haben mit Unterstützung der sudanesischen Armee mehr als eine Million Schwarzafrikaner im Westen des Landes vertrieben. Dabei kamen schätzungsweise 30 000 Menschen ums Leben.

Unterdessen hat sich am Mittwoch der frühere UN-Berichterstatter für Sudan, der FDP-Politiker Gerhart Baum zur aktuellen Lage geäußert. „In meinen Augen ist das, was dort geschieht, Völkermord“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ (Donnerstag). Verantwortlich für das Verbrechen sei auch die Regierung des Sudans. „Im Grunde verfolgt die gesamte Führung in Khartum eine Politik der ethnischen Säuberung.“

Baum forderte die EU auf, im Sicherheitsrat der UN für Sanktionen gegen Khartum zu kämpfen und plädierte außerdem für die Entsendung einer UN-Blauhelmtruppe. „Die Europäer müssten bei den UN klar von einem Völkermord sprechen, damit sich dort endlich etwas bewegt. Ich spreche nicht von einem Militäreinsatz, aber wir brauchen in Sudan Blauhelme, die die Zivilbevölkerung schützen. Das können Afrikaner sein, aber auch Europäer sollten dazugehören.“

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