Sanktionen
Zahlungsverkehr wird zum Wirtschaftskrimi

Wer mit Iran handeln will, muss kreativ sein. Insbesondere der Zahlungsverkehr ist kompliziert. Denn wer Beziehungen zu Irans Zentralbank unterhält, dem wird der Zugang zum US-Finanzmarkt gesperrt.
  • 0

Berlin, DubaiÜberweisungen und Bargeldbeschaffungen für Iran-Geschäfte werden immer mehr zu einem spannenden Wirtschaftskrimi. Seit EU und USA Irans Zentralbank auf ihre Sanktionslisten gesetzt haben, sind Kreativität, Umgehungsgeschäfte und beschwerliche Reisen nötig - sowohl für industrielle Großkunden wie auch für Irans Mittelstand.

So mussten indische Abnehmer von persischem Rohöl bereits nach neuen Kontoverbindungen suchen, nachdem Bundesregierung und EU die in Hamburg ansässige Europäisch-Iranische Handelsbank und deren Konto bei der Bundesbank für den Zahlungsverkehr zwischen Iran und Indien im vorigen Jahr schlossen. Fündig wurden sie in der Türkei, bei der Turkiye Halk Bankasi. Die Türkei hat als Nachbar lange von den westlichen Sanktionen im eigenen Handel mit Iran profitiert und härteren Maßnahmen gegen die Perser widerstanden.

Doch nun ordnete US-Präsident Barack Obama an, dass jeder Bank, die Beziehungen mit Irans Zentralbank unterhält, der Zugang zum US-Finanzmarkt gesperrt wird. Seither hat offenbar auch Halk kalte Füße bekommen. Jetzt beginnt die Suche nach neuen Zahlungswegen von vorn. Nach Handelsblatt-Informationen soll nun die russische Gazprom-Bank einspringen.

Für Irans Firmen gilt: Wer Ersatzteile für Maschinen braucht, muss Vorkasse leisten - meist Cash. Doch Bargeld ist in Irans Banken kaum noch zu bekommen. Seit der letzten Sanktions-Verschärfung ist Irans Währung Rial abgestürzt, Auszahlungswünsche wurden storniert. Nun drohte der Chef von Irans Justiz, Ajatollah Sadegh Amoli Larijani, Schwarzgeld-Tauschern an Teherans Ferdowsi-Straße gar mit der Todesstrafe.

Irans Händler und viele Mittelständler, die Kredite für Immobilien in Dubai bedienen müssen, müssen nun weite Umwege machen: Sie fliegen in die von immer neuen Anschlägen erschütterte irakische Hauptstadt Bagdad, um im dortigen Karrada-Bezirk ihre Rial in Dollar oder Euro zu tauschen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Sanktionen: Zahlungsverkehr wird zum Wirtschaftskrimi"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%