Sao Paulo Brasiliens gefährliche Boomtown.
São Paulo bestimmt Brasiliens Pulsschlag

Wo ist das Herz dieser Stadt mit ihren elf Millionen Menschen? Für die Wirtschaft ändert sich das alle paar Jahre. Denn jeder Boom schafft sich ein neues Zentrum in São Paulo - genauso wie jede wirtschaftliche Stagnation eben noch angesagte Stadtteile veröden lässt.

SAO PAULO. Wie ein vergessenes Viertel plötzlich wieder zum Leben erweckt wird, lässt sich im "alten" Zentrum beobachten: Vor hundert Jahren, während des Kaffeebooms, wuchs die Stadt von dort aus in alle Richtungen. Die Börse und der Terminhandel liegen hier, die Oper und viele Behörden. Doch bis vor kurzem beherrschten tausende von Straßenhändlern, die ihre Schmuggelware aus Paraguay verkauften, das Bild. Nachts schlugen Obdachlose ihre Pappbetten in den Fußgängerzonen auf. "Cracolandia" nannte der Volksmund einen ganzen Bezirk - weil hier zwischen Absteigen und Hehlerläden vor allem Crack gedealt wurde. Entsprechend schlecht war der Ruf der Gegend.

Doch das hat sich geändert: Die Straßenhändler wurden nach Osten umgesiedelt, die Dealer haben sich wegen ständiger Razzien über die ganze Stadt verteilt. Art-Deco-Hochhäuser, ehemals herrschaftliche Apartmentwohnungen und altertümliche Bürokomplexe werden verkauft und renoviert. Inzwischen kehren auch die ersten Unternehmen und Institute zurück.

Die wirtschaftliche Stabilisierung Brasiliens, die trotz des ständigen Auf und Ab seit rund einer Dekade anhält, hat der Metropole gut getan. Es wird gebaut wie schon lange nicht mehr: Hotels, Büros, Wohnkomplexe - von Sozialwohnungen bis zu Superluxusappartements. Jede Büroimmobilie in guten Lagen ist schon vermietet, bevor sie überhaupt fertiggestellt ist.

Bauprojekte wachsen längst über die Grenzen der Stadt hinaus, die allenfalls noch für Politiker oder das Katasteramt von Bedeutung sind. Die Menschen nehmen sie schon lange nicht mehr wahr. Eigentlich ist São Paulo nur eine von 39 Gemeinden im Großraum der Metropole. Dort drängen sich 19 Millionen Menschen - mehr als in Nordrhein-Westfalen - auf einer Fläche, die mit 8 000 Quadratkilometern über dreimal so groß ist wie das Saarland.

Die Industrie wandert seit längerer Zeit in die Peripherie ab - dafür kommen die Dienstleister aus den Branchen Bio-Tech, Software, Finanzen, Pharma oder Telekom. Multis haben begonnen, ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen für die Emerging Markets in São Paulo zu konzentrieren - wie gerade IBM und zuvor Rhodia oder Bristol-Myers. Auch der Rohstoffboom Brasiliens hinterlässt seine Spuren: Die Megacity São Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Staates, des wichtigsten Landwirtschaftszentrums in Brasilien. Die Händler für Kaffee, Zucker, Orangensaft oder Rindfleisch sowie die Agro- und Lebensmittelkonzerne haben in den letzten zwei Jahren ihre neuen regionalen Hauptquartiere in São Paulo ausgebaut. Meist dort, wo auch ihre Finanziers - die großen internationalen Banken - ihre Filialen haben.

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