Saparmurat Nijasow
„Turkmenbashi“ erliegt Herzversagen

Der wohl bizarrste Autokrat unter den Herrschern in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, der turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow, ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Weil er keinen Nachfolger aufbaute, droht dem Land mit den fünfgrößten Erdgasvorkommen weltweit nun ein Machtvakuum.

HB ASCHGABAT. „Turkmenbaschi - der Vater aller Turkmenen - ist tot“, sagte ein Nachrichtensprecher des turkmenischen Staatsfernsehens, das am Donnerstag Bilder der Nationalflagge mit schwarzem Trauerrand ausstrahlte. Nijasow starb am frühen Donnerstagmorgen um 1.10 Uhr (Ortszeit) an Herzversagen, hieß es.

Die Regierung beeilte sich nach einer Sondersitzung am Donnerstag zu versichern, das Land werde die Innen- und Außenpolitik des Präsidenten fortsetzen und alle internationalen und bilateralen Vereinbarungen einhalten. „Die Nation muss vereint und standhaft sein“, hieß es in der über das Staatsfernsehen ausgestrahlten Erklärung weiter.

Eine Sonderkommission, die Vize-Ministerpräsident Kurbanguli Berdymukhamedow leitet, soll nun das Begräbnis Turkmenbaschis am 24. Dezember organisieren. Oppositionskreisen zufolge ist der Vize-Ministerpräsident ein Verwandter des verstorbenen Staatschefs und könnte womöglich für seine Nachfolge in Frage kommen.

Der Verfassung nach gehen die Vollmachten des Präsidenten bis zu Neuwahlen auf den Vorsitzenden des turkmenischen Parlaments, Owesgeldy Atajew, über. Nach dem Tod Nijasows warnten russische Politologen jedoch vor einem Machtkampf um die Führung des Landes. Ein Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, der Kreml rechne auch unter einer neuen Führung mit Kontinuität in den Beziehungen beider Länder.

Nijasow stand seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der ehemaligen Sowjetrepublik - zunächst als KP-Chef, seit 1991 als Präsident. Der selbst ernannte Turkmenbaschi betrieb einen anachronistischen Personenkult, der weltweit seinesgleichen suchte. Er ließ sich zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen und im ganzen Land goldene Statuen von sich errichten, seine Porträts schmückten Häuserwände. Er gab nicht nur Häfen und Militärstützpunkte mit seinen Namen, sondern auch einem Meteoriten.

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