Sarajevo-Attentat
Gedenken an 1914 spaltet Bosnien

Vom Umgang mit der Geschichte: Der 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo, das den Ersten Weltkrieg auslöste, hat deutlich gemacht, wie tief der Graben zwischen Bosniern und Serben immer noch ist.
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Sarajevo/VisegradHundert Jahre nach dem tödlichen Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand spaltet die Erinnerung an die Tat die Menschen in Bosnien-Herzegowina. Die Serben boykottierten am Samstag die offiziellen Gedenkveranstaltungen in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, wo die Wiener Philharmoniker am Abend ein Konzert gaben. Stattdessen versammelten sich hunderte Menschen in Visegrad, um den Attentäter Gavrilo Princip als Freiheitskämpfer zu würdigen.

Das Konzert „für den Frieden“ der Wiener Philharmoniker fand in dem imposanten Bau der Nationalbibliothek im neo-maurischen Stil statt. Gespielt wurden Stücke von Franz Schubert, Joseph Haydn, Johannes Brahms und anderen.

Vor hundert Jahren befand sich in dem Gebäude das Rathaus von Sarajevo – der letzte Ort, den Franz Ferdinand und seine Frau vor ihrer Ermordung durch den nationalistischen Serben Princip besuchten. Vor dem Konzert protestierte eine kleine Gruppe mit Princip-Masken gegen die „kapitalistische Besatzung“.

In Visegrad würdigten führende Politiker der Serben in Bosnien und Serbien Princip als Helden. Die Schüsse von Princip seien „keine Schüsse gegen Europa gewesen, sondern Schüsse für die Freiheit“, sagte der Präsident von Bosniens serbischer Teilrepublik, Milorad Dodik.

„Wir werden heute nicht von denjenigen sprechen, die versuchen, unsere Geschichte zu vergiften oder uns zwingen wollen zu vergessen“, sagte der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic vor hunderten Zuhörern im Herzen von Visegrad unweit der Grenze zu Serbien.

Zuvor hatten Vucic und Dodik ein Mosaik enthüllt, das die Gruppe hinter dem Anschlag, allen voran Princip, zeigt. Erst am Freitag war Princip in Sarajevo mit einem Denkmal geehrt worden. Hunderte Menschen kamen zur Einweihung der zwei Meter hohen Bronzestatue. „Wir sind für immer Freiheitskämpfer“, rief Nebojsa Radmanovic, der als Vertreter der bosnischen Serben im Staatspräsidium von Bosnien-Herzegowina sitzt.

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