Sarg mit Arafats Leichnam auf dem Weg nach Ramallah
Chaos bei Arafat-Trauerfeier in Kairo

Bei einer großen Trauerfeier in Kairo haben am Freitag hunderte von Staats- und Regierungschefs, Minister und Würdenträgern aus aller Welt Abschied von Palästinenserpräsident Jassir Arafat genommen. Anschließend wurde der Sarg mit Arafats Leichnam in Richtung Ramallah im Westjordanland geflogen, wo er im Hof von Arafats Hauptquartiers beigesetzt werden sollte.

HB KAIRO. Die feierliche Zeremonie in Kairo wurde von organisatorischen Problemen überschattet. Bundesaußenminister Joschka Fischer verpasste die Feierlichkeiten ebenso wie mehrere andere ausländische Trauergäste, weil ihre Maschinen nicht rechtzeitig in Kairo landen konnten.

Die Feierlichkeiten begannen am Morgen mit einem Trauergebet in einer Moschee, an dem nur eine kleine Zahl muslimischer Politiker und Weggefährten Arafats teilnahmen. Anschließend kondolierten die Trauergäste in einem Zelt der Palästinenserführung. Die Beileidsbezeugungen nahmen unter anderem der Vorsitzende des PLO- Exekutivkomitees, Mahmud Abbas, und der neue Fatah-Generalsekretär, Faruk Kaddumi, entgegen.

Auf einer silbernen von schwarzen Pferden gezogenen Lafette wurde der Sarg zum Militärflughafen Al-Masa gebracht, um von dort zur Beerdigung nach Ramallah übergeführt zu werden. An der Spitze des Trauerzuges schritten Ägyptens Präsident Husni Mubarak und der saudiarabische Kronprinz Abdullah. Auch Arafats Witwe Suha, die am Begräbnis in Ramallah nicht teilnehmen wollte, nahm am Flughafen Abschied von ihrem Mann. Einigen Trauergästen wurde mitten im Trauerzug das Tor zum Militärflughafen vor der Nase zugeschlagen.

Außenminister Fischer und der SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski wurden nicht mehr zu Arafats Sarg vorgelassen. Fischer konnte nur noch Arafats Halbbruder Mohsen das Beileid im Namen der Bundesregierung aussprechen. Zu den Chancen für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses in Nahost sagte Fischer: „Ob es ohne Arafat leichter oder schwieriger wird, kann heute niemand sagen“.

Wischnewski, der Arafat sehr gut kannte, erklärte: „Für Israel war das eine harte Woche“. Die israelische Regierung, die den Fehler gemacht habe, nicht mit Arafat zu sprechen, habe nun mit ansehen müssen, wie ihr Staatsfeind Nummer Eins in Frankreich und Ägypten mit militärischen Ehren gewürdigt wurde. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush, die Arafat ebenfalls isoliert hatte, schickte ihren Nahost-Gesandten William Burns zur Zeremonie in Kairo.

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