Sarkozy im Urlaub
Das süße Leben des Badehosenpräsidenten

Wohl kein französischer Präsident spielte so mit den Medien, wie Nicolas Sarkozy es tut. Seine Frau Cécilia zieht dabei gerne die Fäden im Hintegrund, weiß sich jedoch auch selbst geschickt in Szene zu setzen. Nun verbringt das prominente Ehepaar den Sommerurlaub luxuriös in den USA – und die Medienpräsenz wird einmal mehr zum Bumerang.

PARIS. Sie planschen entspannt in den Fluten, genießen Sonne, Sand und süße Lebensart. Nicolas in grauer Boxershort-Badehose, lässig trägt er die Piloten-Sonnenbrille auf der markanten Nase, manchmal bleckt er die Zähne, und man weiß nicht, ob er lacht oder verärgert ist. Die Fotos der Paparazzi zeigen das französische Präsidentenpaar ganz privat – nicht in Frankreich, sondern in Wolfeboro, New Hampshire, USA. Dort verbringen Nicolas und Cécilia Sarkozy derzeit ihre Sommerferien.

Das Anwesen mit elf Badezimmern und eigenem Kino gehört dem ehemaligen Microsoft-Manager Michael Appe. Doch zu Hause steigt der Unmut: Zum einen lieben Franzosen den Heimaturlaub. Und zum anderen fragen sie sich: Wer bezahlt den Luxus? Denn selten hat ein Präsidentenpaar so ungeniert dem Leben à la Jetset gefrönt.

Dabei hatten die Sarkozys die Aufregung eigentlich verhindern wollen. Denn schon kurz nach dem Wahlsieg hatte der Zwei-Tages-Trip der Sarkozys auf der Luxus-Yacht „Paloma“, die dem Industriellen Vincent Bolloré gehört, Wirbel ausgelöst. Und deshalb hütete der Élysée-Palast das neue Urlaubsziel lange wie ein Staatsgeheimnis. Bloß nicht wieder Negativ-Schlagzeilen.

Keiner spielt so souverän auf der Klaviatur der Medien wie Frankreichs neuer Staatschef Nicolas Sarkozy. Doch diese Hyperpräsenz ist inzwischen des Öfteren zum Bumerang geworden – wie jetzt die Aufregung um die präsidialen Ferien zeigt. Das indes hat sich das Powerpaar selbst zuzuschreiben, denn niemand vor ihnen hat das Private so zum Politischen gemacht, die Medien so instrumentalisiert wie sie.

Dabei fing die Symbiose Sarkozy und Medien so gut an: Am Start zum Marathon der Macht, als er nach langer politischer Durststrecke 2002 Innenminister wird, posiert das Paar medienwirksam mit Sohn Louis in der People-Presse, lädt das Fernsehen zur Home-Story in die eigenen vier Wände ein. Die Grenze zwischen Politik und Privatleben verwischt. Das neue Promi-Paar profitiert von der öffentlichen Plattform, die die Medien ihm bieten.

Doch schon im Mai 2005 rächt sich der Drang in die Schlagzeilen: Nicolas ist seine Cécila davongelaufen. Ganz Paris spekuliert öffentlich über die Eheprobleme des Powerpaares. Sie habe sich getrennt, weil sie den Druck der Medien nicht mehr ausgehalten habe, heißt es in der Regenbogenpresse. Da die Affäre längst eine öffentliche ist, tritt Sarkozy die Flucht nach vorn an und bekennt live in den Hauptnachrichten: „Die Wahrheit ist einfach. Wie Millionen anderer Familien haben wir Probleme.“

Ausgerechnet „Paris Match“, das Klatschmagazin von Sarkozy-Freund Arnaud Lagardère, tritt nach: Das Blatt bringt auf der Titelseite ein Foto von Cécilia und ihrem neuen Liebhaber, dem Werbeprofi Richard Attias. Sarkozy tobt. Kurz darauf fliegt Chefredakteur Alain Genestar. Hartnäckig hält sich seither das Gerücht, Lagardère habe den „Paris Match“-Chef seiner Freundschaft zum Minister geopfert. Im Januar 2006 ist das Powerpaar wieder da. Die gute Nachricht von Cécilias Rückkehr trägt Sarkozy wieder live und persönlich in Millionen Fernsehstuben. Sein Privatleben wolle er fortan schützen, kündigt er gleichzeitig an.

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