Sarkozy in Großbritannien
Sprung über den Kanal nährt Berlins Argwohn

Die Bundesregierung verfolgt Nicolas Sarkozys demonstratives Werben um einen engen britisch-französischen Schulterschluss mit gemischten Gefühlen: Vordergründig sieht man das Staatstreffen zwar gelassen - insgesheim aber misstraut Berlin der französischen Außenpolitik und fürchtet, bei wichtigen Absprachen übergangen zu werden.

BERLIN. Offiziell verfolgt die Bundesregierung Nicolas Sarkozys demonstratives Werben um einen engen britisch-französischen Schulterschluss mit Gelassenheit. "Dies bedeutet sicher keinen Ersatz für die enge deutsch-französische Zusammenarbeit", heißt es in Berliner Regierungskreisen.

Ausdrücklich wird darauf verwiesen, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident bereits auf die gemeinsame Vorbereitung der französischen EU-Ratspräsidentschaft ab dem 1. Juli verständigt hätten. Am Dienstag will sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit seinen französischen und polnischen Kollegen zum sogenannten "Weimarer Dreieck" treffen.

Zudem wird in Berlin darauf verwiesen, dass enge Kontakte zur britischen Regierung nicht wirklich neu seien - auch nicht für die deutsche Politik. Sowohl Kanzlerin Merkel als auch ihr Vorgänger Gerhard Schröder hatten zu Beginn ihrer Amtszeiten offensiv ein engeres Verhältnis zu London gesucht.

Dennoch wird das französisch-britische Treffen in Deutschland sehr aufmerksam wahrgenommen - aus zwei Gründen: Erstens hatte es zwischen Paris und Berlin in den vergangenen Monaten etliche Konflikte gegeben. "Man misstraut den Zielen und der Art der Außenpolitik Sarkozys", sagt Daniela Schwarzer, Frankreich-Expertin des Berliner Think-Tanks Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). So stoße der französische Präsident ständig neue Initiativen an, die teilweise aber wieder verpufften. "Sarkozys Leitlinie ist es, durch möglichst viele neue Freunde die Handlungsspielräume für Frankreich zu vergrößern." Gemeinsame Ziele mit Deutschland seien dabei kaum noch erkennbar.

Zweitens drohen nun französische und britische Absprachen genau in den Gebieten, in denen Deutschland derzeit wenig handlungsfähig ist - der Verteidigungs- und der Atompolitik. So sieht sich die Bundesregierung auch aus Paris heftiger Kritik ausgesetzt, sie tue nicht genug für die europäische Sicherheitspolitik. Auf Unverständnis stößt zudem der deutsche Ausstieg aus der Atomenergie, den Sarkozy öffentlich kritisiert hat.

Hier gerät die Bundesregierung aber nicht nur aus Paris unter Druck. Der CDU -Wirtschaftsrat forderte die Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke auf mindestens 60 Jahre. "Die geplante Reduzierung von Stromerzeugungskapazitäten aus Kernkraft ist vor dem Hintergrund einer steigenden globalen Energienachfrage unverantwortlich", sagte der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt J. Lauk, dem Handelsblatt. Auch der Vorstandsvorsitzende der RWE Power AG, Johannes Lambertz, erwartet Energieengpässe. 2007 habe nur durch ein zufälliges Zusammentreffen mehrerer glücklicher Umstände eine "Energiekatastrophe" abgewendet werden können.

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