Sarkozy-Partei UMP
Neuer Name, altes Gesicht

Mit neuem Namen wollen Frankreichs Konservative wieder an die Macht. Doch auch die Rede von Ex-Präsident Sarkozy kann eines nicht kaschieren: Den „Republikaner“ fehlt nicht nur Geld, sondern auch Geschlossenheit.
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ParisAls „Republikaner“ wollen Frankreichs Konservative 2017 wieder an die Macht kommen. Am Samstag haben sie die von Skandalen erschütterte und durch Finanzaffären ausgeblutete „Union pour un mouvement populaire“ (UMP) beerdigt und umgehend als „Die Republikaner“ wieder aufleben lassen. In einem Appell fordern sie alle Franzosen, „denen die Werte der Republik wichtig sind“, auf, sich der Partei anzuschließen. Alle Schwergewichte der Konservativen ergriffen das Wort, am Ende der alte und neue Parteivorsitzende Nicolas Sarkozy. Er stellte seine Ansprache unter das Motto einer „Republik des Vertrauens“, die geschaffen werden müsse. Durch seine Rede zogen sich wiederholte harte Angriffe auf die Sozialisten, die das „Land in den Niedergang“ führten und ihre eigenen Wähler betrogen hätten.

Abgestimmt oder entschieden wurde allerdings nichts auf diesem eigenwilligen Kongress. Die bereits vorher von der Parteiführung bestimmten Führungsgremien bleiben bestehen. Ein neues Parteiprogramm gibt es nicht. Künftig sollen allerdings die Mitglieder mehr Einflussmöglichkeiten erhalten. Das französische Parteiengesetz schreibt keine innerparteiliche Demokratie vor.

Schon oft haben die Konservativen neue Formationen gegründet oder bestehende einfach anders genannt. General de Gaulle schuf 1947 die „Sammlung des französischen Volkes“ (RPF), die 1955 erlosch. 1958 folgte die „Union pour la nouvelle République“, die De Gaulle und seine Fünfte Republik stützte. Dann kam die „Union der Demokraten für die Fünfte Republik“. 1976 entstand die „Sammlung für die Republik“, RPR, an der bereits Alain Juppé teilnahm, der heute Sarkozys stärkster Gegenspieler ist. 2002 schließlich wurde die UMP gegründet, von Juppé und Jacques Chirac.

Der Rahmen für den Gründungsakt am Samstag war karg: Eine Leichtbauhalle mit Blechdach direkt neben dem Autobahnring Périphérique, völlig schmucklos, mit nackten Betonsäulen und Leimbindern. Die einzige Dekoration waren sechs Großbildschirme. Die Partei ist pleite, sie kann sich auch unter neuem Namen die beeindruckenden Inszenierungen früherer Zeiten nicht mehr leisten. Die Veranstalter hatten Wochen vorher Angst, mangels finanzieller Mittel keine ausreichend große Halle zu finden. Doch am Mittag war sie zu einem Drittel leer. Selbst am Nachmittag, als Sarkozy-Getreue direkt aus Paris kamen, füllte sie sich nicht ganz. Ein vorsorglich aufgebautes groß0es Zelt blieb völlig leer.

Gegen die Mittagszeit wurde auch die Bundeskanzlerin per Videobotschaft zugeschaltet. Angela Merkel schickte ihre „besten Wünsche für eine erfolgreiche Veranstaltung“ und für den Prozess der „Demokratisierung und Dezentralisierung“, den die Partei begonnen habe. Auch die CDU bemühe sich darum, dem Entscheid der Mitglieder mehr Gewicht zu geben. „Ich wünsche Ihnen viel Kraft für den begonnenen Reformprozess und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit“, versprach die Kanzlerin von den Bildschirmen aus. Nicolas Sarkozy erwähnte sie mit keinem einzigen Wort.

Die Anhänger der Konservativen sehnen sich nach Geschlossenheit. Mit ostentativem Beifall wurden auch die Politiker wie Ex-Premier Alain Juppé oder Ex-Minister Bruno Le Maire bedacht, die bei der Urwahl des Präsidentschaftskandidaten 2016 gegen Nicolas Sarkozy antreten werden. Doch zugleich spalten sich die Mitglieder der „Republikaner“ in Sarkozy- und Juppé-Anhänger. „Ich bin verrückt nach Sarkozy, ich hoffe, dass er 2017 unser Kandidat sein wird“, sagt eine junge Frau. „Wir Franzosen fühlen uns nicht mehr zu Hause in unserem Land“, sagt sie. Sie fürchte aber, dass Sarkos schärfster Konkurrent Alain Juppé besser die Mitte gewinnen könne und damit bei der Kandidatenwahl 2016 die Nase vorne habe.

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