Saudi-Arabien
Eine Revolution, die keine ist

Im streng islamischen Königreich Saudi-Arabien sind Frauen Bürger zweiter Klasse. Sie dürfen nicht Auto fahren, nicht ohne Erlaubnis heiraten oder studieren. Am Wochenende können sie erstmals wählen. Eine Revolution?

Tel Aviv/DohaErstmals in Saudi Arabien dürfen an diesem Samstag Frauen wählen und gewählt werden. Gemessen an westlichen Standards ist ihre Teilnahme bei der Wahl von Lokalräten zwar bloß ein kleiner Beitrag zur Demokratisierung der Gesellschaft. Aber die Tatsache, dass die Bürgerinnen dieses erzkonservativen Landes überhaupt an Wahlen teilnehmen dürfen, wird von westlichen Beobachtern als „sehr bedeutungsvoll” gewertet.

Es sei der erste Schritt in Richtung politischer Gleichberechtigung von Mann und Frau. In einem Land, in dem die Geschlechtertrennung den Alltag bestimmt und Frauen rudimentäre Rechte abgesprochen werden, komme das einer „kleinen Revolution” gleich. An den Munizipalwahlen in den Jahren 2005 und 2011 hatten sich nur Männer beteiligen dürfen.

Trotz des Fortschritts ist die Stimmung bei Frauen alles andere als euphorisch. Lediglich 131.000 Frauen haben sich als Wählerinnen registrieren lassen, aber 1,3 Millionen Männer.

Es geht sogar die Angst um, dass die Lokalräte weiterhin eine Männerbastion sein werden, weil sich so wenig Frauen als Wählerinnen registrieren ließen. Doch jemand müsse schließlich den Weg ebnen, meint eine 50-jährige Lehrerin in der Hauptstadt Riad. Sie wolle ihren Töchtern zeigen, dass sie sich gegen die Unterdrückung der Frau wehren und ihrer Stimme Gehör verschaffen sollen.

Dabei sind freilich zahlreiche Hindernisse zu überwinden. So gilt eine Frau nach wie vor als Besitz des Mannes. Zudem muss sie die konservativen Kleidervorschriften befolgen, wenn sie das Haus verlässt. Für Reisen ins Ausland benötigt sie die Bewilligung ihres männlichen Vormundes. Als einzigem Land ist es Frauen in Saudi Arabien verboten, selber Auto zu fahren.

Frauen, die gegen die strengen Regeln im Land mit seinen mehr als 20 Millionen Einwohnern verstoßen, werden von den Wahlen ausgeschlossen. Das musste beispielsweise Loujain Hathoul erfahren, die in Riad gegen das Fahrverbot für Frauen protestiert hatte.

Dafür erhielt sie zunächst eine Gefängnisstrafe, und danach wurde ihr die Teilnahme an den Wahlen verwehrt. Als Kandidatin ausgeschieden ist auch Nassima Al-Sada. Ihr wurde vorgeworfen, mit ihrem Einsatz für die Menschenrechte gegen die Regeln Saudi Arabiens verstoßen zu haben.

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