Saudi-Arabien
Wirtschaftsbeziehung mit kleinen Schwächen

Prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutieren in Riad über saudisch-deutsche Beziehungen. Bei der Entwicklung großer Bauprojekte sind deutsche Unternehmen oft nur Auftragnehmer von Generalunternehmen.
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RiadDie Eröffnung der saudisch-deutschen Wirtschaftsgespräche am Samstag in Riad ist ein Muster für diplomatisch ritualisierte Höflichkeit. Prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft beider Länder gehen auffallend nett miteinander um.

Wolfgang Büchele, Linde-Vorstandschef, nennt Saudi-Arabien einen „Hafen des Friedens und der Stabilität in der Region“. Reiner Seele, Chef von Wintershall, ist kaum weniger euphemistisch, lobt die vielen „Jahre des Vertrauens und der Partnerschaft“ zwischen Saudi-Arabien und Deutschland. Die saudische Seite wiederum lobt die hohe Qualität deutscher Produkte und Dienstleistungen und unterstreicht, dass sie sich über mehr Engagement aus Deutschland freuen würde.

Doch die Realität sieht anders aus. Das Bild, das Saudi-Arabien als Investitionsstandort bietet, ist durchaus vielschichtig. Ja, die Regierung in Riad hat enorme Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Städtebau angekündigt. Doch die Umsetzung gestaltet sich oft nicht so, wie es viele deutsche Unternehmen sich wünschen oder wie sie es aus anderen Weltregionen kennen.

Beispiel Energieversorgung: Die Saudis verbrennen einen wachsenden Teil ihres Erdöls und Erdgases im eigenen Land, um Strom zu erzeugen, Meerwasser zu entsalzen, den Autoverkehr in Schwung zu halten und Klimaanlagen zu betreiben. Etwa 30 Prozent der Öl- und Gasproduktion gehen so für den Eigenbedarf drauf. Die Erkenntnis, dass man dieses Öl besser exportieren könnte statt es daheim ineffizient zu verbrennen, ist alt. Doch die Konsequenzen daraus werden nicht gezogen.

Mangelndes Interesse an erneuerbaren Energien

Ein milliardenschweres Programm zum Ausbau der erneuerbaren Energien, das die Abhängigkeit vom eigenen Öl und Gas reduzieren soll, wird nicht umgesetzt. „Der Enthusiasmus bei den erneuerbaren Energien ist in der Wirklichkeit nicht ganz so ausgeprägt wie nach Papierlage anzunehmen“, heißt es aus Delegationskreisen. Deutsche Unternehmer, die in Saudi-Arabien aktiv sind, bestätigen das. Statt der noch vor einiger Zeit in Aussicht gestellten großen Lösungen gebe es allenfalls kleinteilige, dezentrale Projekte. Für viele deutsche Unternehmen, die gerade beim Thema erneuerbare Energien stark sind, ist das eine schlechte Nachricht.

Aber auch in anderen Segmenten läuft es nicht rund. Bei der Entwicklung großer Bauprojekte seien deutsche Unternehmen oft nur Auftragnehmer von Generalunternehmern, die beispielsweise aus Südkorea kämen, berichten deutsche Unternehmer. Sie räumen zugleich ein, dass Deutschland nur noch wenige geeignete Generalunternehmern, also etwa große Baukonzerne, zu bieten habe. Betätigungsmöglichkeiten gäbe es reichlich: Die saudische Regierung investiert beispielsweise in eine Metro in Riad und in ein Hochgeschwindigkeitsschienennetz. Auch in den Ausbau von Flug- und Seehäfen fließen Milliarden.

Praktikanten und Studenten für die Quotenerfüllung

Deutsche Unternehmer klagen außerdem, die von der saudischen Regierung geforderte Quote zur Beschäftigung von Saudis sei nur schwer umzusetzen. Viele Bewerber erfüllten die Voraussetzungen nicht. Die wenigen qualifizierte Saudis dagegen seien heiß begehrt. Die Unternehmen würden alles versuchen, um sie einzustellen, was wiederum die Kosten in unangemessene Höhen treibe, klagt ein Unternehmensvertreter. Er forderte, auch saudische Praktikanten und Studenten auf die Quotenerfüllung anzurechnen.

Manchem Mittelständler bereitet auch das unstete Rechtssystem Kopfzerbrechen. Manches Gesetz ändere sich über Nacht, viele Entscheidungen seien intransparent. Große Konzerne mit direkten Beziehungen in die Regierung seien da im Vorteil, klagt ein Unternehmer. 

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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