Saudi-Arabiens Angst vor dem Iran
Atomvertrag belastet Bündnis mit den USA

Am Donnerstag kamen die Anführer der Golfstaaten zum Gipfeltreffen mit Obama nach Camp David. Saudi-Arabien ist wegen des Atomabkommens mit dem Iran alarmiert – und verlangt von den USA Sicherheitsgarantien.
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Riad/WashingtonZumindest telefoniert haben die beiden Staatsführer miteinander. Zwar wurde nicht gemeldet, wie lange das Gespräch zwischen US-Präsident Barack Obama und dem saudischen König Salman dauerte. Auch wer wen angerufen hat, verriet das Weiße Haus nicht. Stattdessen versuchte es, in einer kurzen Mitteilung nach dem Telefonat am Montag die Wogen zu glätten. Die eigentliche Botschaft aus Washington lautete: Im Verhältnis zwischen den USA und Saudi-Arabien gibt es keine ernsthaften Probleme.

Am Tag zuvor hatte das jedoch ganz anders ausgesehen. Da meldete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA, König Salman werde wegen der Jemen-Krise nicht am Gipfeltreffen Obamas mit Anführern der sechs Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) am Donnerstag in Camp David teilnehmen. Stattdessen schicke der Monarch seine Stellvertreter. Von einer „Brüskierung“ Washingtons sprachen danach US-Medien. Salman, so zitierte die „New York Times“ arabische Offizielle, sei enttäuscht vom Weißen Haus und wolle deshalb nicht in die USA reisen.

Tatsächlich durchlaufen die Beziehungen zwischen den USA und dem konservativ-islamischen Königreich schwierige Zeiten. Beide Länder verbindet eine lange Partnerschaft, die auf ein Treffen zwischen dem saudischen Staatsgründer Ibn Saud und dem damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt 1945 auf einem US-Kriegsschiff zurückgeht. Seit Jahrzehnten ist das vergleichsweise stabile Königreich Washingtons wichtigster Partner in der Region. Doch das geplante Atomabkommen mit dem Iran, das Obama forciert, hat am Golf massive Sorgen ausgelöst.

Das sunnitische Königshaus in Riad sieht im schiitischen Iran seinen größten Konkurrenten im Nahen Osten. Für Saudi-Arabien wäre es ein Alptraum, sollte Teheran Atomwaffen besitzen. Zudem hat der Iran seinen Einfluss in der Region massiv ausgedehnt - im Irak, aber auch in Syrien, wo Präsident Baschar al-Assad nur noch mit Hilfe aus Teheran überleben kann. Auch die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen sollen zum Verdruss Riads Hilfe aus dem Iran bekommen.

Saudi-Arabien hat seit Salmans Thronbesteigung Ende Januar auf diese wahrgenommene Bedrohung mit einer aggressiveren Regionalpolitik reagiert. Im Jemen haben die saudische Luftwaffe und ihre arabischen Verbündeten, darunter fast alle Golfstaaten, seit März Huthi-Stellungen bombardiert. Zudem kursieren Meldungen, Riad habe seine Unterstützung für islamistische Rebellen in Syrien aufgestockt, um nach vier Jahren Bürgerkrieg endlich das Regime zu stürzen.

Über all das soll in Camp David gesprochen werden. Vor allem aber verlangen Saudi-Arabien und die anderen Golf-Staaten von den USA weitere Sicherheitsgarantien, und zwar in Form eines offiziellen Abkommens. Das aber will Obama seinen Verbündeten nicht geben. Auch mit der Lieferung zusätzlicher Waffen aus den USA sei nicht zu rechnen, sagt Thomas W. Lippman vom Middle East Institute in Washington. Die US-Armee unterstütze bereits Riads Militäreinsatz im Jemen: „Es gibt nichts, was die USA sonst noch tun könnten.“

So muss sich Saudi-Arabien mit freundlichen Worten zufriedengeben. Sein Land sei bereit, alles zu tun, um die Golfstaaten vor Bedrohungen zu schützen, versicherte Obama vor dem Gipfeltreffen der saudischen Zeitung „Al-Sharq al-Awsat“. Auch das Weiße Haus weiß, dass die Saudis kaum in der Lage sind, die USA unter Druck zu setzen. „Sie haben dazu keine Mittel“, sagt Golf-Experte Lippman.

Vielleicht war das auch der Grund, warum Riad in dieser Woche ebenfalls darum bemüht war, Salmans Absage herunterzuspielen. „Die Idee, dass das eine Brüskierung ist, entbehrt jeder Grundlage“, sagten der saudische Außenminister Adel Al-Dschubeir dem US-Sender CNN. Mit Kronprinz Mohammed bin Naif und seinem Vize Mohammed bin Salman seien „Schlüsselfiguren“ Saudi-Arabiens in Camp David dabei.

So gibt es für die Absage von König Salman auch noch eine ganz andere Lesart: Dass der immerhin schon 79 Jahre alte Monarch gar nicht die Entscheidungen in Riad trifft - sondern dass längst seine Stellvertreter das Kommando im Königreich übernommen haben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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