Saudi-Arabiens Reformen
Kronprinz mit 76

König Abdullah hat in Saudi-Arabien einige Reformen angestoßen, die den konservativen Geistlichen ein Dorn im Auge sind. Mit der Ernennung eines neuen Thronfolgers will Abdullah seine Vision retten.
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BerlinSeinem wichtigsten Reformprojekt hat König Abdullah gleich mit seinem Namen zu besonderer Bedeutung verholfen: In der nach ihm benannten Universität studieren in der Hauptstadt Riad seit zwei Jahren 40.000 Studentinnen. Bildung für Frauen gilt für den mächtigsten Herrscher der arabischen Welt als Thema der Zukunft. Der König hat die Einbeziehung des weiblichen Geschlechts zu einer Überlebensfrage für sein erzkonservatives Reich gemacht. Bislang dürfen Frauen außerhalb des Compounds des saudischen Ölgiganten Saudi-Aramco nicht einmal Auto fahren. Ob Abdullahs Vision aber nach dem Tod des 87-jährigen Monarchen überleben wird, bezweifeln viele in Riad.

Der König, der sich voriges Jahr in den USA einer lebensgefährlichen Operation unterziehen musste, hat sich nicht nur in der Frage der Frauenbildung angelegt mit den radikalen Geistlichen. Im Klerus dominiert die extrem dogmatische, wahhabitische Auslegung des Islams. Und im über tausend Prinzen zählenden saudischen Königshaus sind die Anhänger der Klerikalen in der Mehrheit.

Mit der Ernennung des bisherigen Verteidigungsministers Salman bin Abdul-Aziz zum neuen Kronprinzen versucht König Abdullah, sein Reformwerk zu sichern. Allerdings ist der neue Kronprinz auch bereits 76 Jahre alt. Er folgt auf den am Sonntag in Mekka beerdigten bisherigen Thronfolger, Langzeit-Innenminister Prinz Nayef Abdul-Aziz. Dieser galt als reaktionär und sah Abdullahs Reformen mit großer Skepsis.

Der neue Kronprinz diente von 1955 bis zu seiner Berufung zum Verteidigungsminister im vorigen November als Gouverneur der Provinz Riad. Er leitet vorerst weiter das Rüstungsressort und bleibt auch Vize-Premier. Prinz Salman, ein Halbbruder des Königs, gilt vielen Experten als gute Wahl.

„Er ist in Saudi-Arabien und international bekannt und dürfte Abdullahs Reformen fortsetzen", sagt Theodore Karazik vom Institut für den Mittleren Osten und Golf-Militäranalysen in Dubai. Auch Asaad al-Shamlan, Politikprofessor in Riad, wertete die Ernennung als Zeichen der „Kontinuität innerhalb des Herrscherhauses".

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Kommentare zu " Saudi-Arabiens Reformen: Kronprinz mit 76"

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  • Nun Abdullah hat eine kluge Wahl getroffen mit seinem Kronprinzen und versucht in umsichtiger und weiser Art, hier Saudi-Arabien mit sehr umsichtigen Entscheidungen und Reformen aufzuzeigen, das es einen durchaus einen Weg gemeinsam mit dem Islam gibt, um auch den Frauen zu einem "modernen Leben " zu verhelfen.

    Sein Großinvestor hilft ihm dabei und die königliche Familie von Saudi-Arabien sollte man nicht unterschätzen.

    Abdullah möge noch weise herrschen und anscheinend ist er eine Art "Salomon der Neuzeit" wenn ich das mal so salopp schreiben darf und das ist nur respekt- und würdevoll gemeint.

    Es dient zum Wohlstand aller in Saudi-Arabien und das hat Abdullah erkannt wenn Frauen nicht in eine Ecke gestellt werden sondern vorsichtig auch "den Hardlinern dies schmackhaft" gemacht wird.

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