Saudische Leaks
Die peinlichen Geheimnisse der Scheichs

Trinkgelage von Diplomaten, geschmuggelter Schinken und Details aus dem Reisepass von Hillary Clinton: Die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente aus Saudi-Arabien enthüllen Peinliches aus dem Golfstaat.
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KairoKurz vor der NSA-Spionage gegen Frankreichs Präsidenten François Hollande und seine beiden Vorgänger enthüllte Wikileaks rund 60 000 diplomatische Depeschen aus Saudi-Arabien. Die Dokumente der Enthüllungsplattform offenbarten, mit welchen Argusaugen der Golfstaat seinen Erzrivalen Iran beobachtet. Ein Memo schildert unter anderem, wie besorgt die saudi-arabische Führung über die sich intensivierenden Kontakte seines Verbündeten USA zu Teheran ist.

Fernab davon zeigt das teils streng geheime Material noch etwas anderes: die Schattenseite Riads, darunter Trinkgelage und Schmuggel von Schweinefleisch. Ein Überblick über interessante, bizarre und peinliche Fundstellen:

Der Durst der Diplomaten von Saudi-Arabien:

Es ist in Saudi-Arabien wegen der ultrakonservativen Interpretation des islamischen Gesetzes verboten, Alkohol zu trinken, zu verkaufen oder auch nur zu besitzen. Ausländisches Botschaftspersonal nutzte laut den Dokumenten den Vorteil seiner diplomatischen Immunität, um sich deshalb im Nachbarland Bahrain mit Hochprozentigem auszustatten - in Bahrain ist der Verkauf von alkoholischen Getränken legal.

Mancher Versuch, den Alkohol nach Saudi-Arabien zu schmuggeln, ging laut den von Wikileaks veröffentlichen Informationen ziemlich daneben: Der saudi-arabische Zoll stoppte im Januar 2013 einen mexikanischen Diplomaten, der mit „mehreren großen Koffern“ in seinem Auto aus Bahrain zurückkam. Darin befanden sich nicht weniger als 102 Flaschen Whisky und 48 Dosen Bier, wie es in einem Vermerk heißt.

Damit nicht genug: Anfang Februar 2012 wurde ein Diplomat aus Aserbaidschan vom Zoll mit 28 Flaschen Whisky erwischt, die er in seinem Wagen in Socken versteckt hatte. Am selben Tag wurde ein italienischer Diplomat gestoppt, in dessen Fahrzeug ein verdächtiges Loch in der Rückbank zugeklebt worden war.

Auch das Schweinefleisch-Verbot in Saudi-Arabien war manchem Botschaftsbediensteten zu viel: Ein Diplomat aus China versuchte einem der Dokumente zufolge im März 2012, in seinem Kofferraum 30 Kilogramm Schinken in den Golfstaat zu bringen.

Der schiitische Rechenschieber in Riad:

Es überrascht nicht, dass die sunnitische Führung Saudi-Arabiens bei der Ausbreitung des schiitischen Islam ganz genau hinschaut - erst recht, weil der Erzfeind Iran schiitisch geprägt ist. Doch die Beobachtungspraktiken erweisen sich in den Enthüllungsdokumenten als - nun ja - recht kleinkariert.

Saudische Diplomaten schätzten beispielsweise, wie viele Studenten aus Eritrea im Iran studieren - es sind ganze 40 - oder wie viele Schiiten in Mauretanien leben - 50 000. Beunruhigung kam auf, als schiitische und sunnitische Muslime nahe der Al-Dahab-Moschee in der philippinischen Hauptstadt Manila öffentlich miteinander debattierten. Obwohl die Schiiten weniger als ein Prozent der muslimischen Bevölkerung auf den Philippinen ausmachen, wurde wegen der Diskussion Alarm geschlagen. Die religiöse Botschaft der schiitischen Minderheit habe es geschafft, „aus ihrem heimlichtuerischen Kreis an die Öffentlichkeit zu gelangen“, heißt es in einem Memo aus dem Februar 2010.

Toby Matthiesen, der an der Cambridge-Universität ansässige Autor eines Buches über religiöse Politik in den Golfstaaten, bringt es auf den Punkt: „Es ist besessen“, sagt er über die saudi-arabische Detailtreue. „Es belegt die Theorie, dass die saudi-arabische Außenpolitik zumindest zum Teil sektiererisch ist und versucht, die Schia und nicht nur den Iran in Grenzen zu halten.“

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