Schadenersatzklage
Frankreich und SNCF wegen Judendeportation verurteilt

Erstmals hat ein französisches Gericht den französischen Staat und die Staatsbahn SNCF wegen Judendeportationen im Zweiten Weltkrieg zu Schadenersatz verurteilt. Entschließen sich weitere Hinterbliebene zur Klage und kommen durch, müssen sich Staat und Bahn auf eine massive finanzielle Belastung einstellen.

HB TOULOUSE. Geklagt hatten zwei Kinder eines Deportierten, der Grünen-Europaabgeordnete Alain Lipietz und seine Schwester Hélène Lipietz, die für die Grünen im Regionalrat des Großraums Paris sitzt, sowie einer ihrer Onkel. Das Verwaltungsgericht von Toulouse verurteilte am Dienstag Staat und SNCF wegen ihrer Rolle bei den Deportationen zur Zahlung von 62 000 Euro an die Kläger.

Im Pariser Vorort Drancy wurden im Zweiten Weltkrieg 70 000 bis 80 000 Juden festgehalten, bevor sie in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert wurden. Der Vater und ein Onkel der Grünen-Politiker waren im Mai 1944 in einem Bahnkonvoi von Toulouse in das Transitlager gebracht worden. Die SNCF berief sich in dem Prozess darauf, vom Vichy-Regime und von der deutschen Besatzungsmacht zu den Transporten gezwungen worden zu sein. Die Kläger argumentierten, die Bahngesellschaft habe selbst entschieden, die Gefangenen in Viehwagen zu transportieren und für ihre Bewachung nicht auf der Bereitstellung von Polizisten oder Soldaten zu bestehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%