"Schändliche Maskerade"
Prozess gegen Ben Ali in Tunesien beginnt

Dem gestürzten Präsidenten Ben Ali wird in Tunesien nun ein erster Prozess gemacht. Neben dem Vorwurf der Veruntreuung stehen auch Waffen- und Drogendelikte im Raum. Bis zu zwanzig Jahre könnte der Ex-Präsident hinter Gittern landen.
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Tunis/ParisVor einem tunesischen Strafgericht hat am Montag ein erster Prozess gegen den im Januar gestürzten Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali begonnen. Die Justiz soll darüber urteilen, ob der langjährige Herrscher des Landes gemeinsam mit seiner Frau Leila im großen Stil Staatsvermögen veruntreute.

Der Prozess findet in Abwesenheit der Angeklagten statt. Ben Ali und seine Frau waren ins saudische Exil geflüchtet. Dass sie ausgeliefert werden, gilt als unwahrscheinlich.

Der ehemalige tunesische Präsident hat den bevorstehenden Prozess gegen ihn als „schändliche Maskerade“ bezeichnet. Seine französischen Anwälten veröffentlichten am Sonntag eine Erklärung des 74-Jährigen, worin Ben Ali dementierte, aus Tunesien geflohen zu sein. Vielmehr habe er das Land verlassen, um „brudermörderische und tödliche Konfrontationen“ unter den Tunesiern zu vermeiden.

Er werde die Umstände seines Weggangs bei passender Gelegenheit näher erläutern, hieß es in der ersten öffentlichen Stellungnahme Ben Alis, seit er Tunesien nach monatelangen Massenprotesten am 14. Januar verlassen hatte und nach Saudi-Arabien ging. Ben Ali war in Tunesien 23 Jahre an der Macht.

Neben persönlicher Bereicherung auf Staatskosten werden Ben Ali in dem ersten Prozess Waffen- und Drogendelikte vorgeworfen. Darauf stehen bis zu 20 Jahre Haft. Bei geplanten späteren Prozessen vor einem Militärtribunal könnte der Ex-Präsident sogar zum Tode verurteilt werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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