Schäuble gegen Gabriel: „Das ist erbarmungswürdig“

Schäuble gegen Gabriel
„Das ist erbarmungswürdig“

Fernduell um die Schwarze Null: Beim G20-Treffen in Schanghai reagiert Finanzminister Schäuble auf Sigmar Gabriels Forderung nach einer Abkehr vom Sparkurs. Schäubles Attacke auf den Vizekanzler fällt scharf aus wie selten.
  • 0

SchanghaiEs wirkte, als habe Wolfgang Schäuble (CDU) nur auf die Gelegenheit gewartet. Er redete bei seiner Pressekonferenz in Schanghai schon eine Weile über das Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) und die Lage der Weltwirtschaft, als er auf die jüngsten Äußerungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel angesprochen wurde. Es folgte ein langer Vortrag, bei dem sich Schäuble immer weiter in Rage redete. „Das kann nicht die Meinung eines Vizekanzlers sein. Vielleicht die eines SPD-Wahlkämpfers", erregte sich der Finanzminister.

Gemeint waren Gabriels Forderungen, die Regierung dürfte nicht nur etwas für Flüchtlinge tun, sondern müsse auch die Ausgaben für die Bürger steigern. Ansonsten drohe eine Spaltung der Gesellschaft und ein Erstarken der Rechtspopulisten.

„Dieses Gerede, dass ich jetzt in allen Bereichen der Politik mehr ausgeben muss, damit nicht wegen der Flüchtlinge der Rechtsradikalismus steigt, das ist wirklich erbarmungswürdig", zürnte Schäuble. Er warf Gabriel vor, dass er angesichts der Landtagswahlkämpfe gegen Verabredungen in der Koalition verstoße. Als Vizekanzler gehöre Gabriel einer „wunderbaren Regierung an, als Parteivorsitzender hat er es schwieriger“.

Der Finanzminister erinnerte daran, dass man in der Regierung der Flüchtlingskrise Priorität eingeräumt habe. Man müsse mehr Geld für die Krisenregionen bereitstellen, damit der Zuzug von Flüchtlingen nach Europa zurückgehe.

Das sei „wichtiger als alles andere“, so Schäuble. Dann müsse man logischerweise zu der Einsicht gelangen, dass nicht alles gleichzeitig Priorität haben kann. „Vielleicht ist das nicht jedem Sozialdemokraten 14 Tage vor einer Wahl möglich“, echauffierte sich Schäuble.

Schäuble warf Gabriel zudem Sprunghaftigkeit vor. Noch vor wenigen Wochen habe der Wirtschaftsminister bei der Präsentation des Jahreswirtschaftsberichts ausdrücklich die solide Finanzpolitik der Bundesregierung gelobt. Da könne er Gabriel „eine ganze Weile zitieren“, so Schäuble.

Kommentare zu " Schäuble gegen Gabriel: „Das ist erbarmungswürdig“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%