Schäuble gesteht ein
Griechenland braucht drittes Hilfsprogramm

Einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland lehnt Finanzminister Schäuble ab. Allerdings räumt er ein, dass der Krisenstaat nach 2014 weitere Finanzhilfen braucht. Die Opposition will von ihm konkrete Summen hören.
  • 31

BerlinKnapp fünf Wochen vor der Wahl hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als erster deutscher Regierungspolitiker offen eingeräumt, dass Griechenland auch nach 2014 Finanzhilfen seiner internationalen Partner benötigt. „Es wird in Griechenland noch einmal ein Programm geben müssen“, sagte Schäuble am Dienstag bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Ahrensburg bei Hamburg. Bisher hatte die Bundesregierung bewusst offengelassen, wie sich Griechenland nach dem Auslaufen des zweiten Hilfsprogramms Ende 2014 finanzieren soll. Aus dem griechischen Finanzministerium verlautete, dass bis 2016 aber sehr viel weniger Kredite nötig seien als in den bisherigen Programmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich unterdessen sehr viel zurückhaltender als Schäuble: „Wir haben in der Eurozone immer gesagt, dass wir die Lage Griechenlands Ende 2014 oder Anfang 2015 neu zu bewerten haben. Es ist vernünftig, diesem Zeitplan zu folgen“, sagte sie den „Ruhr-Nachrichten“. In der Bundesregierung galt bisher die Position, dass man die Frage offenhalten müsse. Denn wenn man Griechenland nun bereits ein weiteres Programm in Aussicht stelle, schwäche man die Reformanstrengungen der Regierung in Athen, lautete das Argument. Auch der CDU-Haushaltspolitiker Norbert Barthle hatte kritisiert, die Debatte senke den Reformdruck in Griechenland. Die Opposition wirft der Regierung dagegen vor, den Wählern keinen reinen Wein über die auf Deutschland zukommenden Belastungen einzuschenken.

Noch am 12. August hatte auch ein Sprecher des Finanzministeriums betont, es gebe keinen Anlass für Überlegungen zu weiteren finanzielle Erleichterungen für Griechenland. Nach Medienberichten geht aber auch die Bundesbank von einem dritten Griechenland-Hilfspaket nach der Bundestagswahl am 22. September aus. Darüber werde wohl Anfang 2014 entschieden. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici sagte in einem Radiointerview am Dienstag: „Ich sehe keine dringende Notwendigkeit für neue Hilfspläne für Griechenland.“

Schäuble betonte dagegen am Dienstag bei seinem Auftritt nun, die Notwendigkeit weiterer Hilfe sei nichts Neues. „Das ist der Öffentlichkeit auch immer gesagt worden.“ Verwiesen wird im Finanzministerium etwa auf das Euro-Finanzministertreffen im vergangenen Dezember, wo auf die Finanzierungslücke nach Ende 2014 hingewiesen und die prinzipielle Bereitschaft zu weiterer Hilfe betont worden war. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte im Januar mitgeteilt, er sehe eine Finanzierungslücke Griechenlands in den Jahren 2015 und 2016 von 5,5 bis 9,5 Milliarden Euro.

Kommentare zu " Schäuble gesteht ein: Griechenland braucht drittes Hilfsprogramm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Typ lügt, wenn er den Mund aufmacht. Im Grunde genommen müsste man sagen: Her sind Kriminelle an der Macht. Sie missachten Verträge, sie lügen, sie veruntreuen Geld ... Otto-Normal wäre längst im Knast! Was für eine Schmierenkomödie, wie weit sind wir gesunken. Gute Nacht Deutschland.

  • Die Regierungen Kohl und Schröder haben mit ihrem pervertierten Demokratieverständnis den Deutschen den Euro übergebügelt. Das Merkelregime betreibt fortgesetzten Rechtsbruch(z.B:No-bail-out),es beschädigt unser rechtsstaatliches System und belügt systematisch die Wähler durch Informationsunterdrückung (z.B.target 2)
    Die Opposition ist keinen Deut besser, sie macht sich zum willfährigen Handlanger. Hoffentlich erkennt das deutsche Volk diese Machenschaften rechtzeitig und stellt alle am fortgesetzten Rechtsbruch Beteiligten wegen Hochverates vor Gericht!

  • Lebensmittel, Gesundheitsversorgung, Strom und Öl werden für den Normalverdiener bald unbezahlbar!
    Was meinen Sie dazu Herr Schäuble, ich bitte um Stellungnahme?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%