Scharfer Kapitalschnitt
Argentinien lässt Gläubiger weiter hängen

Argentinien hat den Beginn der Umschuldung seiner Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 100 Milliarden Dollar (76,3 Milliarden Euro) bei privaten Gläubigern um sieben Wochen auf den 17. Januar verschoben.

HB BUENOS AIRES. Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Armando Torres, teilte am Mittwoch in Buenos Aires mit, die Regierung habe nunmehr den 17. Januar als Starttermin für das Umschuldungsangebot vorgesehen. Die Gläubiger hätten dann bis zum 25. Februar Zeit, um ihre alten Anleihen in neue Papiere im Gesamtwert von insgesamt 41,8 Mrd. Dollar umzutauschen. Argentinien hatte vergangene Woche mitgeteilt, die ursprünglich mit der Abwicklung der Transaktion beauftragte Bank of New York habe den für kommenden Montag geplante Beginn der Umtauschaktion für unhaltbar erklärt. Auch die italienischen Aufsichtsbehörden hatten erklärt, sie könnte das Umschuldungsangebot nicht vor der zweiten Dezemberhälfte genehmigen. In Italien gibt es eine große Zahl von Kleinanlegern, die argentinische Anleihen halten.

Ursprünglich sollten die Anleger ihre alten, seit fast drei Jahren nicht mehr bedienten Bonds ab kommenden Montag zunächst in Argentinien gegen neue Bonds mit nur noch einem Viertel des ursprünglichen Nennwertes eintauschen können. Dieser Kapitalschnitt von 75 % erscheint vielen Anlegern, bei denen es sich vor allem um Italiener, Deutsche und Japaner handelt, aber zu hoch. „Argentinien will eine kalte Enteignung gnadenlos durchziehen“, sagte Stefan Engelsberger von der Interessengemeinschaft Argentinien (IG). Viele Gläubiger sind über das argentinische Umschuldungsangebot erbost, da sich das südamerikanische Land damit eines Großteils seiner Schulden entledigen würde. Argentinische Regierungsstellen haben indes mehrfach betont, dass das hoch verschuldete Land das Angebot nicht mehr aufzubessern gedenkt. Analysten haben indes vor einem Hinausschieben der Umschuldungsofferte gewarnt, da bei steigenden US-Zinssätzen Anlagen aus Schwellenländern generell an Attraktivität verlieren dürften.

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