Scharon legt neuen Plan für Rückzug aus Gaza vor
Justizminister kritisiert Häuserzerstörung

Für einen schrittweisen Rückzug aus dem Gazastreifen hat der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon am Sonntag einen überarbeiteten Plan vorgelegt. Die israelische Armee trotzdem die Razzien im südlichen Gaza-Streifen fort.

HB JERUSALEM/GAZA. Während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem äußerte der israelische Justizminister Josef Lapid ungewöhnlich harte Kritik an den Häuserzerstörungen in Rafah.

Bei der Explosion einer Bombe in einem Fahrzeug in Nablus im nördlichen Westjordanland wurden unterdessen mindestens zwei militante Palästinenser getötet. Ein dritter Insasse wurde für klinisch tot erklärt. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, die Armee sei nicht für den Vorfall verantwortlich. Auch aus palästinensischen Kreisen verlautete, es handele sich offenbar um die vorzeitige Explosion eines Sprengsatzes in dem Auto. Bei den Toten handele es sich um Mitglieder der radikalen Gruppen Issedin el Kassam und Al-Aksa-Brigaden.

Nach dem neuen Rückzugsplan Scharons, der bei einem Treffen mit führenden Vertretern von Armee und des Verteidigungsministeriums vorstellt wurde, sollen die Siedlungen nach dem Grad der Sicherheitsprobleme aufgeteilt und dann erst nach und nach geräumt werden. Scharons ursprünglicher Plan, der eine Räumung aller 21 jüdischen Siedlungen und von vier Siedlungen im Westjordanland auf einen Schlag vorsah, war vor drei Wochen von seiner eigenen Likud- Partei in einem internen Referendum mehrheitlich abgelehnt worden. Scharon will den neuen Plan am kommenden Sonntag auch seinem Kabinett vorlegen.

Auch nach einem Teilabzug der israelischen Armee aus Rafah im südlichen Gazastreifen blieb die Stadt am Sonntag weiter abgeriegelt. Nach palästinensischen Angaben sind die Zugänge zu der Stadt weiterhin gesperrt. Nach wie vor hielten sich zahlreiche Soldaten in der Ortschaft auf. Ein israelischer Armeesprecher teilte am Sonntag mit, das Militär setze „Routineaktivitäten“ fort. Ziel der „Operation Regenbogen“, bei der seit Dienstag mindestens 48 Palästinenser getötet wurden, ist die Bekämpfung des Waffenschmuggels in der Stadt.

"Unmenschlich und unjüdisch

Die israelische Zeitung „Haaretz“ meldete am Sonntag, Israel wolle hunderte Palästinenser für die Zerstörung ihrer Häuser entlang der Pufferzone mit Ägypten finanziell entschädigen. Dies wurde von der Palästinensischen Autonomiebehörde jedoch umgehend zurückgewiesen. Israel wolle damit nur den Ärger der Palästinenser und der ganzen Welt über die Häuserdemolierungen dämpfen.

Der aus Jugoslawien stammende Justizminister Lapid (73) sagte während der Kabinettssitzung in Jerusalem, das Bild einer alten Palästinenserin, die in den Trümmern ihres Hauses nach ihren Medikamenten sucht, habe ihn an seine eigene Großmutter erinnert. Der Holocaust-Überlebende nannte die Häuserdemolierung „unmenschlich und unjüdisch“ und warnte vor einer internationalen Ächtung Israels. Lapids Äußerungen riefen bei den anderen Ministern große Empörung hervor. Der Justizminister betonte später, er habe das Vorgehen der Soldaten im Gazastreifen nicht mit jenem der Nazis während des Dritten Reichs vergleichen wollen.

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