Schauprozess um Bo
Der Luxus-Knast der China-Bosse

Im legendären Qincheng-Gefängnis saß bereits Bo Xilai Vater ein. Dort wird Bo wohl auch landen. Doch halb so schlimm, denn der Knast gehört eher zur Luxusklasse und ein weiteres Familienmitglied wartet bereits auf ihn.
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PekingDer Ausspruch des ehemaligen Polizeichefs bei seiner Inhaftierung ist in China legendär. „Hätte ich gewusst, dass ich selbst einmal hier hineingesteckt werde, hätte ich dieses Gefängnis schöner bauen lassen“, sagte Feng Jiping, als er in den Lagerkomplex Qincheng eingeliefert wird.

Unter Fengs Leitung war die Haftanstalt Mitte der 50-Jahre aufgebaut worden. Doch inzwischen hatte sich der politische Wind gedreht. Fengs Unterstützer waren bei Machthaber Mao Zedong in Ungnade gefallen. Zusammen mit anderen prominenten Kommunisten rückte er 1966 in einen Zellenblock ein, den er selbst geplant hatte.

Voraussichtlich im September wird ein weiterer prominenter Insasse hinzukommen. Der kommunistische Provinzfürst Bo Xilai, einst Medienliebling mit Aussicht auf die Staatsführung, steht am Freitag wegen Korruption vor Gericht. Es gilt als sicher, dass er verurteilt wird. Für ehemalige Mitglieder des innersten Zirkels der Macht wie Bo kommt nur das Qincheng-Gefängnis in Frage.

Hier lebt es sich gut. Die Partei lässt ehemalige Genossen auch nach deren Sturz nicht völlig hängen. Die Zellen sind rund 20 Quadratmeter groß, haben eine eigene Toilette und sind mit elektrischen Hausgeräten ausgestattet. Das Essen gilt als passabel, wobei VIP-Gefangene wie Bo einen Anspruch auf Mahlzeiten von Restaurant-Niveau haben. Ein gewaltiger Luxus im Vergleich zum normalen chinesischen Knast, wo zwölf Mann auf wenige Quadratmeter zusammengepfercht sind und sich einen Eimer teilen.

Im Qincheng-Gefängnis gab es selbst dann immer gut zu essen, als während des Großen Sprungs nach vorn oder der Kulturrevolution im ganzen Land Hunger herrschte. Die Gefangenen bekommen monatliches Taschengeld, mit dem sie sich auch Gebrauchsartikel von draußen kaufen können.

Die Bedingungen hier sind auch deshalb so gut, weil Aufstieg und Fall in der Volksrepublik so dicht beieinander liegen. Das Beispiel Feng Jiping zeigt: Richter und Aufseher können zu Insassen werden. Dreht sich der Wind wieder, sind sie oft wieder an der Macht.
Die Familie Bo ist dafür das beste Beispiel. Denn schon der Vater von Bo Xilai saß im Qincheng-Gefängnis ein. In den Wirren der Kulturrevolution ist auch Bo Yibo bei Mao in Ungnade gefallen. Der reformorientierte Vizepremier musste für 15 Jahre in den Knast. Nach 1979 hat er in mehreren Regierungsämtern den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas mitorganisiert. Zumindest damals galt: Wer aus Qincheng freikommt, dem steht immer noch jede Karriere offen.

Bo Xilais Frau dagegen wird das Qincheng-Gefängnis voraussichtlich nie wieder verlassen. Gu Kailai hat gestanden, einen britischen Geschäftsmann vergiftet zu haben. Auch sie war eine Top-Kommunistin, auch sie darf ihre lebenslange Haft in relativen Komfort verbringen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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