Die Politik sei zwar verantwortlich für das seelische Klima in Katalonien, für die „gegensätzlichen Positionen, die sich wahlkampfbedingt gegenseitig hochschaukeln und zu einer gefährlichen Konfrontation zwischen Spanien und Katalonien führen“. Doch auch der katalanische Unternehmer trage Verantwortung: „Wir haben uns darauf beschränkt, uns zu bemitleiden und die politischen Parteien und jeweiligen Regierungen verantwortlich zu machen“, so die ungewöhnlich selbstkritische Diagnose des „Cercle d’Economia“.
„Die Schuld tragen etwa je zur Hälfte die Regierungen in Madrid und Barcelona“, sagt Pedro Nueno von der Wirtschaftshochschule IESE in Barcelona. Das Bildungssystem etwa, für das die Region selbst zuständig ist, bringe desaströse Ergebnisse hervor. Die Sprachpolitik der Regionalregierung ist nicht dazu angetan, den Standort beliebter zu machen. Unterricht wird fast ausschließlich in Catalán abgehalten. Wer ein öffentliches Amt in Katalonien bekleiden will, muss sich einer Sprachprüfung in Catalán unterziehen. „Wir beschäftigen uns mehr mit unserer Identität als mit den konkreten Problemen der Menschen“, meint Jordi Casas, der für die katalanischen Sozialdemokraten im spanischen Senat sitzt.
Doch solch selbstkritische Töne hört man nur selten in Katalonien. Weitaus verbreiteter sind Parolen wie diese: „Heute fordern wir das Recht auf Entscheidung über unsere Infrastruktur“, sagt Josep-Lluís Carod-Rovira, Vorsitzender der linksnationalistischen ERC, während der Demonstration auf der Plaza de Catalunya, „und morgen das Recht zu entscheiden, ob wir weiter Teil des spanischen Königreichs sein wollen.“

