Schengen
Vom kleinen Ort zur großen Idee

Im Jubiläumsjahr des 30-jährigen Bestehens besteht für den Schengen-Raum der europäischen Freizügigkeit wenig Anlass zur Freude. Wie kaum zuvor ist dieser wichtige Teil der europäischen Vision in Gefahr.

BrüsselWenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz darüber redet, dass Europas Grenzen im Schengen-Raum der Freizügigkeit nur noch als Linien auf der Landkarte existieren, ist seine Ergriffenheit unschwer heraus zu hören: „Schengen ist vielleicht ein kleiner Ort, aber eine große Idee", sagte Schulz bei einer Feierstunde anlässlich des 30. Geburtstages des Schengen-System im Juni dieses Jahres: „Diejenigen, die die Grenzen wieder einführen wollen, die wollen uns wieder trennen“, wird Schulz, der aus Würselen, unweit des Dreiländerecks Belgien, Niederlande und Deutschland stammt, nicht müde zu betonen. Die Freizügigkeit sei nicht verhandelbar.

Ist sie doch, wie sich in diesen Tagen zeigt – und das, obwohl das Recht auf Freizügigkeit zwischen den Mitgliedstaaten zusammen mit dem Euro wohl die sichtbarste und von den Bürgern wohl am meisten geschätzte Errungenschaft der europäischen Integration ist.

Die Reisefreiheit im Schengen Raum geht auf das Jahr 1985 zurück. Damals beschlossen fünf EU-Mitgliedstaaten, die Kontrollen an ihren Binnengrenzen abzuschaffen: Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und die Niederlande. Inzwischen gehören alle EU-Länder außer Großbritannien, Irland, Zypern, Bulgarien, Rumänien und Kroatien dem Abkommen an sowie die assoziierten Länder Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein.

Die Zahlen sind beeindruckend: Die Landgrenzen des Schengen-Raums der Freizügigkeit sind 7 721 Kilometer lang, die Seegrenzen 42 673 Kilometer. Jedes Jahr unternehmen die Europäer mehr als 1,25 Milliarden Reisen innerhalb des Schengen-Raums. Im vergangenen Jahr wurden rund 16 Millionen Schengen-Visa für Menschen aus Drittstaaten ausgegeben.

Grundsätzlich gibt es zwischen den Schengen-Staaten keine Grenzkontrollen mehr. Den Regeln zufolge dürfen die teilnehmenden Staaten ihre Grenzen aber im Falle von Notsituationen oder potenziellen Gefahren für die innere Sicherheit zeitweise wieder dicht machen und Kontrollen vornehmen. Beim G7-Gipfel von Elmau war das zum Beispiel der Fall oder auch bei Fußballweltmeisterschaften.

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„Es erfordert großen Mut, Grenzen zu öffnen“

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