Schicksal der Geiseln
Taliban wollen über Leben und Tod entscheiden

Am Morgen war noch von einem Gefangenenaustausch die Rede, jetzt verschärfen die Taliban wieder den Ton. Nach dem kategorischen Nein der USA und Afghanistans zu ihren Forderungen haben die Islamisten eine Entscheidung über das Schicksal der 21 Geiseln aus Südkorea angekündigt.

HB KABUL. Die Lage der 21 Geiseln hat sich seit dem Treffen von US-Präsident Bush mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karzai weiter zugespitzt. „Wir kennen ihre Äußerungen und werden über die nächsten Schritte entscheiden“, sagte ein Taliban-Kommandeur zu der Weigerung der beiden Präsidenten, inhaftierte Islamisten gegen die Koreaner auszutauschen. Falls die Taliban-Kämpfer nicht freikämen, liege die Verantwortung für das Wohlergehen der Geiseln bei Bush und Karsai, hieß es.

Bush und Karsai hatten am Montag bei einem Treffen in Camp David die Forderungen der Entführer kategorisch abgelehnt. Unter anderem verlangten die Islamisten die Freilassung von acht Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi schlug den Austausch einiger weiblicher Geiseln gegen angeblich inhaftierte Taliban-Frauen vor. Er wisse nicht genau, wie viele Taliban-Frauen in afghanischer Haft säßen, wurde Ahmadi von Yonhap zitiert. „Doch falls Kabul sie freilässt, wollen wir die gleiche Zahl von weiblichen Geiseln gehen lassen.“

Ahmadi hatte zuvor gesagt, zwei der gefangenen Koreanerinnen seien ernsthaft erkrankt. Der südkoreanische Außenminister Song Min Soon bestritt dies am Dienstag jedoch. „Die Geiseln können nach fast 20 Tagen Gefangenschaft nicht bei perfekter Gesundheit sein“, sagte Song. Es gebe jedoch keine Anzeichen dafür, dass irgendeine der Geiseln „bedrohlich krank“ sei.

Die Taliban hatten nach der Verschleppung der Gruppe von ursprünglich 23 Koreanern am 19. Juli die Freilassung von acht inhaftierten Gesinnungsgenossen gefordert. Zwei der männlichen Geiseln wurden von ihren Entführern erschossen.

Auch im Fall des seit 18. Juli in Afghanistan entführten 62-jährigen deutschen Bauingenieurs zeichnet sich keine neue Entwicklung ab. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Dienstag in Berlin: „Der Krisenstab steht in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung und bemüht sich weiter intensiv um die Freilassung der deutschen Geisel.“

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