Schicksal Moktada al-Sadr weiter unklar
Irakische Rebellen drohen mit Ermordung britischer Geisel

Im Irak drohen Aufständische mit der Ermordung eines britischen Journalisten sollten sich die US-Truppen nicht binnen 24 Stunden aus der belagerten Stadt Nadschaf zurückziehen. Ein Sprecher des in Nadschaf eingekesselten Schiiten-Predigers Moktada el Sadr forderte die Extremisten auf, die entführte Geisel sofort freizulassen

HB BASRA/NADSCHAF. Das Schicksal el Sadrs blieb unterdessen unklar. Gefolgsleute des Geistlichen teilten mit, el Sadr sei beim Bombardement der US-Luftwaffe auf Nadschaf verletzt worden. Die Regierung in Bagdad dementierte dies jedoch und erklärte, el Sadr führe bereits Abzugsverhandlungen.

Nach Berichten von Augenzeugen wurde der für den Londoner „Sunday Telegraph“ tätige Journalist in der Nacht von bewaffneten Extremisten aus seinem Hotel in der von den britischen Besatzungstruppen kontrollierten Hafenstadt Basra verschleppt. In einem Video, das in Basra veröffentlich wurde, erklärte eine vermummte Gestalt: „Wir fordern den Abzug der US-Truppen aus Nadschaf binnen 24 Stunden, oder wir töten diese britische Geisel.“

Der entführte Journalist James Brandon wurde auf dem Video mit nacktem Oberkörper vorgeführt, er hatte einen Verband um den Kopf. Er erklärte, er arbeite für den „Sunday Telegraph“ und schreibe nur über das, was im Irak geschehe. Die Filmaufnahme hatte ein freier Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters auf Anweisung der Entführer drehen müssen. Eine Sprecherin der Zeitung sagte in London, es herrsche große Sorge um Brandon. Die Entführung ist der jüngste Fall nach einer Serie von Geiselnahmen im Irak. In mehreren Fällen hatten die Täter ihre Morddrohungen später wahr gemacht. Sprecher des Geistlichen el Sadr, der als der Kopf des bewaffneten Schiiten-Widerstands im südlichen Irak gilt, hatten am Freitagmorgen mitgeteilt, der junge, charismatische Prediger sei während eines US-Bombenangriffs auf die den Schiiten heilige Stadt Nadschaf verletzt worden, aber nicht lebensgefährlich. Die Regierung in Bagdad wies Berichte zurück, el Sadr sei verletzt worden. Der Rebellenchef verhandele zurzeit über einen Abzug aus der Imam-Ali-Moschee in Nadschaf, sagte Innenminister Fala al-Nakib. el Sadr werde nichts geschehen, wenn er die heilige Stätte friedlich verlasse. el Sadr hatte seine Anhänger am Mittwoch aufgerufen, auch im Fall seiner Gefangennahme oder seines Todes weiter zu kämpfen. Beobachter gehen davon aus, dass eine Tötung des Geistlichen zu einem Sturm der Entrüstung unter der schiitischen Mehrheit im Irak führen würde.

Die Übergangsregierung in Bagdad steht wegen des Schiiten-Aufstands in mehreren Städten schon jetzt stark unter Druck. Extremisten haben wiederholt mit Anschlägen auf die irakischen Ölpipelines gedroht, sollte die von den irakischen Truppen unterstützte Offensive gegen die Rebellen in Nadschaf vor den dortigen Heiligtümern nicht Halt machen.

Der Ölzufluss im Süden verlief am Freitag nach mehrtägiger Reduzierung wegen Reparaturen nach Sabotageakten wieder mit normaler Kapazität, wie Vertreter der South Oil Company mitteilten. Nach Angaben aus Schifffahrtskreisen wurde die Nordroute, auf der Öl aus dem Fördergebiet um Kirkuk ins türkische Ceyhan gepumpt wird, von den Irakern getestet. Die Pipeline hat eine Tageskapazität von 800 000 Barrel.

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