Schicksalswahl in Irland: Zwischen Pub und Pferderennen

Schicksalswahl in Irland
Zwischen Pub und Pferderennen

Irland wählt heute seine alte Regierung ab. Dennoch kämpfen die Abgeordneten auf der Zielgerade um die letzten unentschlossenen Wähler. Eine Sicht auf die irische Politik zwischen Pub und Pferderennen.
  • 1

TemplemoreMichael Lowry dreht seine letzte Runde im Veranstaltungssaal des Templemore Arms Hotel. Gleich gehen die Lichter, dann werden Fachleute auf der Bühne und die 300 Besucher nur noch über Pferderennen fachsimpeln. Im Zentrum steht das legendäre Cheltenham-Rennen. Kommenden Monat laufen die besten Pferde Irlands gegen die besten aus Großbritannien. Hinter diesem sportlichen Wettstreit mit der Nachbarinsel muss die Politik selbst am Vorabend der Wahl zurückstehen.

Lowry weiß das. Er ist ein Polit-Veteran, seit 1987 sitzt er mit Unterbrechungen im irischen Parlament, das die Iren Dail Eireann nennen. Auf dem Treffen der Pferdefreunde aus Templemore und Umgebung holt er die Menschen ab.

In Hotellobby hat der parteiunabhängige Lowry einige potenzielle Wähler ausgemacht. Also Hände schütteln, ein paar persönliche Worte. Der 56-Jährige ist in guter Form. Die Leute mögen ihn, er schwirrt immer um so. Lowry weiß, dass die Wahl längst gelaufen ist. "Wer erst die letzten drei Wochen vor der Wahl loszieht, der kommt zu spät", sagt er. Die Kandidaten müssen permanent in ihrem Wahlkreis präsent sein. Hochzeiten, Beerdigungen und eben solche Treffen wie an diesem Donnerstagabend sind Pflichttermine für Lowry und die anderen Kandidaten.

Lowrys Wahlkreis ist Nord-Tipperary im Herzen Irlands. Die ländliche Region mit 57000 Wählern, verteilte über Kleinstädte wie Templemore oder Nenagh, gilt traditionell als Stimmungsbarometer der irischen Politik. Drei Abgeordnete stellt der Wahlkreis, neben Lowry ist da Noel Coonan.

Der Abgeordnete der konservativen Fine Gael überlässt den Wettstreit um die letzten Stimmen im Templemore Arms Hotel nicht seinem parteilosen Rivalen. Während Lowry Hände in der Lobby schüttelt, sitzt Coonan in der Bar. Er ist sich seiner Wiederwahl sicher. Coonans' Fine Gael wird ein Erdrutschsieg vorhergesagt. Die mit wenigen Unterbrechungen seit den 30er-Jahren regierende Fianna Fail wird untergehen, so viel ist sicher. Ihr wird der wirtschaftliche Niedergang Irlands und der Zusammenbruch des Bankensystems angelastet. Mit der Verdoppelung der Staatsverschuldung auf knapp 90 Milliarden Euro hängt Irland am Tropf der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Seite 1:

Zwischen Pub und Pferderennen

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Schicksalswahl in Irland: Zwischen Pub und Pferderennen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ob sich die neue Regierung an die geldpolitischen Zusagen der alten Regierung hält?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%