„Schienen-Kartell“
Bund will von Thyssen-Krupp rasch Geld sehen

Ein Teil der Schadenszahlungen ist schon eingegangen. Doch Thyssen-Krupp und andere Mitglieder des „Schienen-Kartells“ spielen laut Bund auf Zeit. Nun soll rasch eine Überweisung gemacht werden.
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BerlinDie Bundesregierung pocht auf schnelle und umfassende Schadenersatzzahlungen von Thyssen-Krupp und anderen am Schienenkartell beteiligten Stahlunternehmen an die Deutsche Bahn.

„Die Kartell-Mitglieder müssen zu ihren Verfehlungen stehen und die Schäden begleichen“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Michael Odenwald (CDU) der „Süddeutschen Zeitung“.

Die beteiligten Unternehmen sollten ernsthaft mit der Bahn über den Schadensersatz sprechen und aufhören, auf Zeit zu spielen. Da der Bund jedes Jahr knapp vier Milliarden Euro für das Schienennetz an die Bahn überweist, haben die Kartellmitglieder letztlich auch den deutschen Steuerzahler geschädigt.

Das Staatsunternehmen DB will mit einer Klage beim Landgericht Frankfurt von Thyssen-Krupp und anderen Firmen mehrere Hundert Millionen Euro eintreiben. Ein großer Teil davon würde an den Bund zurückfließen.

Die Regierung will diese Mittel laut Odenwald gleich wieder in die Schiene investieren. „Wir könnten bundesweit fünf bis zehn Projekte anpacken oder beschleunigen, vom Ausbau von Strecken bis zur Modernisierung von Bahnhöfen.“ Ein schneller Schadensersatz sei also auch im Interesse der Steuerzahler und Bahnfahrer.

Gezahlt hat bislang nur der österreichische Konzern Voestalpine, der das Kartell auffliegen ließ und zum Kronzeugen der Ermittler wurde. Vor einigen Wochen überwies das Unternehmen demnach knapp 50 Millionen Euro an die Bahn. „Voestalpine hat gezeigt, wie man schnell zu einer vernünftigen Lösung kommen kann“, sagte der Staatssekretär.

Er forderte Thyssen-Krupp und die anderen Kartellsünder auf, dem Beispiel zu folgen. Der Bußgeldbescheid des Kartellamtes sei eindeutig. Das Schienenkartell soll zwischen 2001 und 2011 höhere Preise abgesprochen haben. Das Bundeskartellamt verhängte für die Schienenlieferungen an die Deutsche Bahn ein Bußgeld von insgesamt 124,5 Millionen Euro. Davon musste Thyssen-Krupp mit 103 Millionen Euro den Löwenanteil bezahlen. Der in Essen ansässige Konzern zahlt bislang aber keinen Schadensersatz.

Gleichwohl richtet sich ThyssenKrupp richtet auf entsprechende Forderungen ein. So bildete der Konzern im zweiten Quartal zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 207 Millionen Euro. Grund hierfür seien Risiken aus Schadenersatzforderungen sowie Strafen aus laufenden Ermittlungen.

Die Bahn hat in ihrer Klage den Streitwert auf 550 Millionen Euro beziffert. Auch hier dürfte der Löwenanteil auf ThyssenKrupp entfallen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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