Schienenverkehr
Spanien stößt Liberalisierungswelle an

Spaniens Premier José Luis Rodriguez Zapatero will den Schienenverkehr des Landes liberalisieren und so der Wirtschaft neue Impulse verleihen. Zudem soll der staatliche Flughafenbetreiber Aena teilprivatisiert werden. Einer der Hauptnutznießer der geplanten Reformen wäre die Deutsche Bahn.

MADRID. Nicht zuletzt unter dem Eindruck des jüngsten Streiks der LKW-Fahrer will die Regierung den Warentransport stärker auf die Schiene verlagern. Zu diesem Zweck soll der Güterverkehr aus der staatlichen Bahngesellschaft Renfe ausgegliedert werden, um den Einstieg privater Anbieter zu erleichtern. Weil Diesel lange Zeit billig war und die Regierung viel in das Straßennetz investierte, werden in Spanien heute nur noch sieben Prozent der Güter mit der Bahn transportiert.

Zwar ist der Schienengüterverkehr theoretisch schon seit 2006 für private Investoren geöffnet. Tatsächlich ist der Marktanteil der wenigen privaten Anbieter aber marginal. Das habe vor allem mit einer verfehlten Regulierung zu tun, glaubt Rafael Pampillón, Ökonom am Instituto de Empresa in Madrid. Denn die für den Güterverkehr zuständige Renfe, die ebenfalls staatliche Adif, die das Schienennetz betreut, und die seit 2005 bestehende Regulierungsbehörde CRF unterstehen dem Infrastrukturministerium. "Echte Liberalisierung erfordert eine unabhängige Regulierungsbehörde", sagt Pampillón. Das Ministerium habe natürlich wenig Interesse, den Markteintritt von Konkurrenten zu fördern.

Zu den Hauptnutznießern der jetzt geplanten Reformen dürfte die Deutsche Bahn gehören, die in Spanien Transfesa kontrolliert, einen der wenigen privaten Anbieter im Schienengüterverkehr. Ebenfalls zur Deutschen Bahn gehört die in Spanien und Frankreiche operierende Euro Cargo Rail.

Sehr konkret sind auch die Pläne zu einer Umstrukturierung des staatlichen Flughafenbetreibers Aena. An den 47 von ihm verwalteten spanischen Flughäfen wurden im vergangenen Jahr 210 Millionen Passagiere abgewickelt; damit ist Aena der größte Flughafenbetreiber weltweit. Regierungschef Zapatero kündigte jetzt an, 30 Prozent des Monopolisten zu privatisieren. Unter dem Dach der Aena, die für die Flugsicherung zuständig sein wird, sollen eigene Flughafen-Betreibergesellschaften gegründet werden. Noch in diesem Monat will die Regierung ein Konzept vorlegen.

Widerstand wird vor allem von den mächtigen Regionalregierungen etwa in Katalonien, Madrid und dem Baskenland erwartet. Sie kämpfen schon lange darum, die Kontrolle über die Flughäfen ihrer jeweiligen Region zu erhalten. Die nun angestrebte Lösung sieht als Kompromiss ein Betreiberkonsortium aus den regionalen und städtischen Regierungen einerseits sowie dem Privatsektor andererseits vor.

Vor allem spanische Bau- und Infrastrukturgiganten wie Abertis oder Ferrovial, der bereits den Flughafenbetreiber BAA in Großbritannien kontrolliert, haben Interesse am lukrativen spanischen Flughafengeschäft. Aena setzte 2006 mehr als 2,6 Mrd. Euro um und erwirtschaftete ein Betriebsergebnis von 770 Mill. Euro. Einen großen Teil der Gewinne tragen aber die fünf großen Flughäfen von Madrid, Barcelona, Palma de Mallorca, Alicante und Málaga bei. "Es gibt noch einigen Spielraum, um an Effizienz zu gewinnen", sagt José Carlos Díez, Chefökonom beim Finanzberater Intermoney in Madrid. "So erzielt die britische BAA etwa den Großteil ihrer Einnahmen aus Läden, Restaurants oder anderen Dienstleistungen auf dem Flughafengelände. Die spanischen Flughäfen dagegen bieten - abgesehen von dem neuen Terminal 4 in Madrid Barajas - wenig solcher Dienstleistungen."

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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