Schießerei in San Bernadino
IS nennt Attentat Werk von „Getreuen“

Das FBI geht bei der Schießerei von San Bernadino offiziell von einem Terrorakt aus. Ein Radiosender der Terrormiliz Islamischer Staat nennt den Angriff das Werk von „Getreuen“. Doch viele Fragen bleiben offen.

San BernardinoDie US-Bundespolizei geht bei den Schüssen von San Bernardino mit 14 Toten inzwischen von Terrorismus als Motiv aus. „Wir behandeln diese entsetzliche Tat als einen Akt des Terrorismus“, sagte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich, am Freitag am Tatort. Eine Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat sei jedoch zunächst nicht gefunden worden. „Wir können das aber noch nicht abschließend beantworten“, sagt Bowdich.

Am Mittwoch hatten die Eheleute Syed Farook und Tashfeen Malik in einer Sozialeinrichtung in San Bernardino, Kalifornien, das Feuer eröffnet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Das schwer bewaffnete Paar wurde Stunden später nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet.

Medien berichteten, Tashfeen Malik habe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Internet die Gefolgschaft versprochen haben. CNN zitierte am Freitag Angaben mehrerer Ermittler, die sich wiederum auf einen Facebook-Beitrag der Frau beriefen. Tashfeen Malik habe diesen während oder kurz vor der Attacke abgesetzt und darin IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen. Malik stammt aus Pakistan, das Paar traf sich erstmals in Saudi-Arabien. In ihrem Haus fand die Polizei später ein Waffenarsenal.

Ein von der IS-Miliz betriebenen Hörfunksender verkündete bereits, das Attentat sei von Anhängern der Extremisten verübt worden. „Zwei Getreue des Islamischen Staates haben vor einigen Tagen ein Zentrum in San Bernardino in Kalifornien angegriffen“, berichtete der Sender Al-Bajan am Samstag auf seiner Internet-Seite. Bereits am Freitag hatte die der IS-Miliz nahestehende Nachrichtenagentur Aamak gemeldet, IS-Anhänger wären für den Angriff verantwortlich.

Die US-Bundespolizei FBI hatte zunächst betont, weiter auch ein persönliches Motiv für denkbar zu halten. Farooks Schwager Farhan Khan sagte am Freitag, sein Verwandter sei ein „schlechter Mensch“ gewesen, aber kein Radikaler. Farook und Malik hatten nach Darstellung der Behörden ihre sechs Monate alte Tochter vor der Schießerei bei Verwandten abgegeben. Khan sagte dem Sender NBC, er könne nicht fassen, dass Farook sein Kind im Stich gelassen habe. Er habe die Adoption des Babys beantragt, fügte der Schwager hinzu.

Farook war als Sohn pakistanischer Einwanderer in Chicago geboren und in Südkalifornien aufgewachsen. Er war nach Angaben von Bekannten gläubiger Muslim. Nach seinem Uniabschluss arbeitete er beim Gesundheitsamt in San Bernardino. 2014 heiratete er nach offiziellen Unterlagen die aus Pakistan stammende Malik. Die Tat vom Mittwoch richtete sich gegen Kollegen Farooks, die in dem Sozialzentrum unter einem Weihnachtsbaum feierten. Der mutmaßliche Schütze soll die Feier vorzeitig verlassen und bewaffnet mit seiner Frau zurückgekommen sein.

Das Ehepaar feuerte nach Darstellung der Behörden am Tatort bis zu 75 Schüsse ab. Am Sozialzentrum selbst hätten sie drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurückgelassen, der offenbar nicht funktioniert habe. Zudem hätten sie über 1600 weitere Kugeln bei sich gehabt, als sie in ihrem Geländewagen erschossen wurden. In ihrem Haus waren zwölf Rohrbomben und über 4500 Schuss Munition, wie Polizeichef Jarrod Burguan sagte. Zwei bei der Bluttat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal gekauft haben.

Auch ein mit den Ermittlungen vertrauter Beamter sagte, Farook habe Internet-Kontakte zu Islamisten gehabt, die das FBI kannte. Doch seien diese „keine wichtigen Akteure auf unserem Radar“ gewesen. Die Online-Kontakte lägen schon länger zurück, und sie bedeuteten nicht, dass jemand Terrorist sei. Farook und seine Frau selbst seien nicht überwacht worden. Die Webseite SITE, die extremistische Kommunikation beobachtet, fand keine Querverbindungen zwischen Farook und dschihadistischen Gruppen.

In Washington hatte US-Justizministerin Loretta Lynch vor vorschnellen Schlüssen zum Tatmotiv gewarnt. „Wir wissen nicht, ob es sich um Rage am Arbeitsplatz oder etwas Größeres oder einen Kombination aus beidem handelt.“ Ähnlich hatte sich vorher Präsident Barack Obama geäußert.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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