Schießerein in Gazs-Stadt
Abbas-Leibwächter offenbar getötet

Drei Tage nach dem Tod von Jassir Arafat sind bei einer Schießerein zwei Leibwächter des neuen PLO-Chefs Mahmud Abbas getötet worden. Das sind die ersten Zeichen der Zerrissenheit unter den Palästinensern.

HB GAZA-STADT. Bei einer Schießerei zwischen bewaffneten Palästinensern sind am Sonntag an einem Trauerzelt für Arafat in der Stadt Gaza zwei Palästinenser getötet worden. Der angereiste neue PLO-Chef Mahmud Abbas und der palästinensische Sicherheitschef Mohamed Dachlan seien unverletzt geblieben, berichteten Augenzeugen.

Nach ersten Berichten hatten bewaffnete Palästinenser das Feuer eröffnet, um gegen die Anwesenheit von Abbas zu protestieren. Danach hätten Bewaffnete und Sicherheitskräfte aufeinander geschossen. Unter den Getöteten war ein Wachmann von Abbas. Es habe ein Chaos gegeben, als sich Tausende Menschen vor dem Trauerzelt im Westen von Gaza drängten und dann flüchteten, sagte ein Augenzeuge.

Das Zentralkomitee der Fatah-Organisation mache sich für den früheren Regierungschef Mahmud Abbas als Präsidentschaftskandidaten stark, sagte ein führender Fatah-Vertreter in Ramallah. Der auch als „Abu Masen“ bekannte Abbas setzte sich am Sonntag in einer als demonstrativ verstandenen Geste auf den bislang freien Stuhl Arafats. Für Berichte, wonach auch der in Israel inhaftierte Fatah-Führer Marwan Barguti kandidieren wolle, gab es keine offizielle Bestätigung. Barguti gilt als der bei den Palästinensern beliebteste Politiker hinter Arafat. Dessen Tod war am Donnerstag in einem französischen Militärkrankenhaus bekanntgegeben worden.

In der israelischen Regierung gab es Streit um das Wahlrecht der in Ost-Jerusalem lebenden Palästinenser. Außenminister Silwan Schalom lehnte zwei Tage nach der Beerdigung von Arafat laut israelischem Radio ein Stimmrecht von Palästinensern aus Ost-Jerusalem bei der Präsidentenwahl ab. Ihre Teilnahme könnte Entscheidungen kommender Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern vorwegnehmen, sagte er. Innenminister Avraham Poraz erklärte dagegen, auch Palästinenser aus Ost-Jerusalem sollten ihre Stimme abgeben dürfen. Laut Medienberichten unterstützen die USA die Position von Poraz.

Die radikal-islamische Hamas-Organisation forderte im Gazastreifen, die Gelegenheit zu allgemeinen Wahlen zu nutzen. Wenn die Bedingungen für Wahlen gegeben seien, müsse es allgemeine palästinensische Wahlen geben, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suchri. „Wenn die Palästinenserbehörde Präsidentenwahlen organisieren kann, warum dann nicht gleich allgemeine Wahlen“, sagte Suchri der dpa in der Stadt Gaza. Sollten aber keine Wahlen möglich sein, müsse eine vereinte Führung aller Palästinenserorganisationen gebildet werden.

Auch international begann am Wochenende ein neues Ringen um die Zukunft des Nahen Ostens. Die Europäische Union dringt auf einen weiteren Anlauf zur Lösung des Konfliktes. Der für die EU-Außen- und Sicherheitspolitik zuständige Javier Solana forderte Israel auf, den Dialog mit den Palästinensern wieder aufzunehmen. Die israelische Regierung machte dagegen am Samstag deutlich, sie wolle weiterhin nicht mit den Palästinensern über den einseitig geplanten Abzug aus dem Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands verhandeln.

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