Schifffahrt
Welthandel leidet unter Piraterie

Im Kampf gegen Piraten sollte die Politik endlich Ernst machen. Das fordern Vertreter der Logistikbranche. Andernfalls könne der Welthandel erheblichen Schaden nehmen. Bereits jetzt müssen Reeder auf teure Umwege ausweichen.

GENF/BRÜSSEL. Dem Welthandel drohen nach Einschätzung von Experten empfindliche Störungen, wenn internationale Marineeinheiten im Kampf gegen Piraten vor Somalias Küste nicht endlich ernst machen. "Die Kriegsschiffe müssen viel aggressiver operieren, sie müssen Piratenschiffe zerstören und die Seeräuber festnehmen", sagte Cyrus Mody, Geschäftsführer des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB), dem Handelsblatt. Das IMB in London ist eine Abteilung der Internationalen Handelskammer. Es bekämpft die Kriminalität auf See und unterhält in Kuala Lumpur ein Meldezentrum für Piratenüberfälle.

"Die Piraterie ist ein viel ernsteres Problem, als viele Leute es wahrhaben wollen", warnte Mody. Der Experte forderte die Regierungen zudem auf, einen klaren Rechtsrahmen für den Marine-Einsatz aufzustellen. Noch sei nicht geklärt, wer festgesetzte Piraten verurteilen solle und wo sie ihre Strafen verbüßen müssten.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte am Dienstag das internationale Mandat für den Kampf gegen die Piraten um ein Jahr verlängert. Staaten und internationale Organisation sind ermächtigt, in Somalias Hoheitsgewässern "alle nötigen Mittel" gegen die Freibeuter einzusetzen. Bisher beschränkt sich die Piratenbekämpfung allerdings meist auf gelegentliche Patrouillen. Auch die neue EU-Mission, die am kommenden Montag beginnen soll, konzentriert sich auf Begleitschutz und Abschreckung.

Jedes Jahr führen rund 25 000 Handelsschiffe durch die gefährdete Wasserstraße am Horn von Afrika, betonte Mody: "Der Golf von Aden ist eine der wichtigsten Routen für die Globalisierung." In diesem Jahr kam es vor der Küste Somalias bereits zu rund 100 Zwischenfällen mit Seeräubern. Allein in der letzten Novemberwoche meldete das IMB fünf Attacken von Piraten. Die ständige Gefahr von Überfällen habe die Versicherungsprämien für Schiffe nach oben schnellen lassen, so Mody. Nach Angaben des Verbandes deutscher Reeder (VDR) verlangen Versicherungen bereits Zuschläge von rund 20 000 Dollar für die Passage eines mittelgroßen Schiffes durch den Golf von Aden.

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