Schiiten-Anführer unter den Opfern
82 Todesopfer bei Bombenanschlag im Irak

In der irakischen Stadt Nadschaf sind bei einer Autobombenexplosion vor einer Moschee bis zu 82 Menschen getötet worden, darunter ein hoher Repräsentant der Schiiten. Die Gläubigen seien gerade dabei gewesen, die Imam-Ali-Moschee nach den Freitagsgebeten zu verlassen, sagte ein Vertreter des schiitischen Obersten Rats der Islamischen Revolution im Irak (SCIRI).

HB/rtr BAGDAD. „Es war eine Autobombe, und bis zu 82 Menschen wurden getötet.“ 229 weitere Menschen wurden verletzt. Der Schiiten-Anführer Mohammed Baker el Hakim war nach Angaben seines Neffen unter den Toten. Ein US-Militärsprecher bestätigte die Explosion. „Es waren keine Soldaten der Allianz in dem Gebiet oder vor Ort, weil der Boden als heilig gilt“, sagte der Sprecher.

In Nadschaf ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Gewalttaten gekommen, die sich auch gegen die US-geführten Besatzungstruppen richteten. Zudem bekämpfen sich dort rivalisierende schiitische Gruppen. Die Schiiten sind die größte irakische Glaubensgruppe, und der SCIRI ist eine ihrer wichtigsten Organisationen.

Die Zusammenarbeit Hakims mit der US-geführten Zivilverwaltung galt als entscheidend für einen erfolgreichen Übergang des Irak zur Demokratie. Ein Bruder Hakims ist der Vertreter des SCIRI im von den USA eingesetzten Regierenden Rat. Bereits am Sonntag war ein hoher schiitischer Geistlicher, ein Onkel des getöteten Hakim, bei einem Bombenanschlag in Nadschaf verletzt worden. Drei seiner Leibwächter wurden getötet. Einige SCIRI-Anhänger machten rivalisierende schiitische Gruppen dafür verantwortlich.

Vorwürfe an das US-Militär

Ein Sprecher der Gruppe in London sagte, der Anschlag am Freitag sei vermutlich das Werk von Anhängern des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Unter der Herrschaft Saddams, der zur Bevölkerungsminderheit der Sunniten gehört, waren die Schiiten unterdrückt worden. Hakim verbrachte mehr als 20 Jahre im Exil im Iran. Er kehrte erst nach dem Sturz Saddams zurück.

Hakims Neffe, Mohsen el Hakim, warf den US-Truppen vor, Geistliche und Heiligtümer der Schiiten nicht ausreichend zu schützen. „Wir haben den Alliierten vor langer Zeit, als ich im Mai und Juni in Bagdad war, vorgeschlagen, eine gesonderte Sicherheitsorganisation zum Schutz der heiligen Stätten und der Kleriker zu schaffen.“ Die Besatzungstruppen seien darauf jedoch nicht eingegangen.

Die US-Truppe im Irak ist fast täglich Ziel von Angriffen. Am Freitag wurde nördlich von Bagdad in der Nähe der Stadt Bakuba erneut ein US-Soldat getötet. Damit sind seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 65 Soldaten ums Leben gekommen.

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