Schiiten in Kerbela
Pilger im Irak lassen sich nicht einschüchtern

Mit Selbstmordanschlägen haben irakische Aufständische am Montag eine Pilgerfahrt Zehntausender Schiiten angegriffen und 12 Menschen mit in den Tod gerissen. Bereits im Vorfeld hatte Terroristendrahtzieher Abu Mussab al-Sarkawi den Schiiten im Irak „den Krieg“ erklärt.

HB BASRA/KAIRO. Die Pilger begehen in der für die Schiiten heiligen Stadt Kerbela den Geburtstag des zwölften Imams Mohammed al-Mahdi im Jahre 868. In Mahmudija, südlich von Bagdad, riss ein Selbstmordattentäter mitten im Strom der Pilger neun Menschen mit in den Tod, als er neben einer Polizeipatrouille eine Autobombe zur Explosion brachte. Nach offiziellen Angaben starben sechs Polizisten und drei Zivilisten zusammen mit dem Attentäter. 15 weitere Menschen wurden verletzt. In der nahe gelegenen Ortschaft Latifija sprengte sich ein zweiter Selbstmordattentäter an einer Straßensperre der irakischen Armee in die Luft. Er tötete drei Menschen, darunter ein Kind.

Der irakische Vizepräsident Adel Abdul Mahdi erklärte: „Die Pilgerfahrt ist der beste Beweis dafür, dass sich die Schiiten nicht von Al-Sarkawis Drohungen einschüchtern lassen.“ Der Anführer der Terrorgruppe El Kaida im Zweistromland hatte den irakischen Schiiten am vergangenen Mittwoch in einer Tonbandbotschaft „den Krieg“ erklärt.

Auf einer Straße in der südlichen Hafenstadt Basra wurde am Montag die Leiche eines am Vortag entführten Mitarbeiters der amerikanischen Zeitung „New York Times“ gefunden. Augenzeugen berichteten, Fakher Haidar sei aus einem Haus in Basra entführt worden. Am Montag wurde seine Leiche auf einer Straße gefunden. Die Internationale Journalistenvereinigung (IFJ) zeigte sich außerordentlich besorgt über den zweiten Fall einer Journalisten-Entführung und -Ermordung in Basra binnen zwei Monaten. Die Arbeit für irakische Journalisten, die für ausländische Medien arbeiteten, werde zunehmend gefährlicher, hieß es in der IFJ-Stellungnahme. Haider ist demnach der 25. Journalist, der seit Jahresbeginn im Irak ums Leben kam und der 96. seit März 2003, dem Beginn des Irak-Krieges.

Unterdessen wurde zum ersten Mal der Fall eines zum Selbstmordattentäter bestimmten Mannes bekannt, der vor der Ausführung der Tat flüchtete. Wie die US-Armee mitteilte, wurde der Iraker saudiarabischer Herkunft am Freitag festgenommen, nachdem er aus einer Schiiten-Moschee in Tus Churmatu geflohen war. Dort hatte er auf Befehl der Terrorgruppe El Kaida im Zweistromland einen Sprengsatz zünden sollen. Ein zweiter Selbstmordattentäter brachte kurz darauf eine Autobombe vor der Moschee zur Explosion und riss zehn Menschen mit in den Tod. Der Festgenommene gab an, er sei entführt von den Terroristen, entführt, gefesselt und unter Drogen gesetzt worden.

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete am Montag, in der Nähe der Stadt Balad seien am Tigris-Ufer die Leichen von 20 irakischen Soldaten entdeckt worden. Für diesen Bericht gab es jedoch keine offizielle Bestätigung.

Unterdessen hat ein Strafgericht in Bagdad Saddam Husseins Neffen Eiman Sabawi wegen seiner Hilfe für die Aufständischen zu lebenslanger Haft verurteilt. Es ist das erste Urteil gegen ein Mitglied der Familie des Ex-Präsidenten, der selbst ab Oktober vor Gericht stehen soll. Sabawi ist der Sohn eines Halbbruders von Saddam. Er war im vergangenen Mai nördlich von Tikrit festgenommen worden.

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