Schiitische Minister treten zurück
Krise im Libanon spitzt sich zu

Drei Monate nach dem israelischen Libanon-Feldzug hat sich die politische Krise in Beirut zugespitzt. Die Regierung droht auseinander zu brechen.

HB BEIRUT. Nach dem Scheitern von Gesprächen über die Erweiterung der bisher von anti-syrischen Politikern bestimmten Regierung kündigten die fünf schiitischen Minister im Kabinett des Sunniten Fuad Siniora am Samstag ihren Rücktritt an. Damit droht die Regierung in Beirut auseinander zu brechen. Der Libanon stehe vor einer „ungewissen Zukunft“, hieß es in Regierungskreisen.

Nach dem Ende des israelischen Feldzugs Mitte August ist der Libanon zunehmend in eine politische Krise gerutscht. Die radikalislamische Hisbollah, die weite Teile der Bevölkerung hinter sich hat, fordert eine stärkere Regierungsbeteiligung für sich und ihre Verbündeten. Damit will sie erreichen, dass sie gegebenenfalls Entscheidungen im Kabinett verhindern kann. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat mit Massenprotesten gedroht, sollte die Forderung nicht erfüllt werden. Die Hisbollah wird von Syrien unterstützt, das seine Truppen im vergangenen Jahr unter dem Druck von Massenprotesten aus dem Nachbarland zurückziehen musste.

Die Schiiten-Parteien Hisbollah und Amal begründeten den Rückzug der fünf Minister damit, die Gespräche über eine Beilegung des Streits seien gescheitert. Siniora lehnte nach Angaben des Senders Al-Dschasira die Rücktritte ab. Nach Einschätzung aus Regierungskreisen würde es für den Regierungschef schwierig, die fünf Kabinettsposten, die Schiiten zustehen, neu zu besetzen. Beobachter fürchten den Ausbruch von Gewalt zwischen den Anhängern vor allem des Syrien-freundlichen Lagers und der anti-syrischen Bewegung im Land.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%