Schiitisches Aschura-Fest: 16 Tote bei religiösen Feiern in Pakistan und Afghanistan

Schiitisches Aschura-Fest
16 Tote bei religiösen Feiern in Pakistan und Afghanistan

Bei einem mutmaßlichen Selbstmordanschlag auf eine schiitische Prozession sind am Donnerstag im Nordwesten Pakistans mindestens 15 Menschen getötet worden. Auch in Afghanistan gab es zwei Tote.

HB ISLAMABAD/KABUL. Es handelt sich um den wichtigsten Trauertag der schiitischen Muslime. Im Nordwesten Pakistans seien bei einer schiitischen Prozession am Aschura- Trauertag mindestens zwölf Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden, als zwei Bomben explodierten, sagte Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao am Donnerstag. Bei Zusammenstößen zwischen Schiiten und Sunniten in der westafghanischen Stadt Herat kamen nach Angaben der Polizei mindestens vier Menschen ums Leben. Mehr als 40 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Besonders in Pakistan kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen radikalen Sunniten und Angehörigen der schiitischen Minderheit. Der pakistanische Innenminister sagte, auch der Anschlag im Ort Hangu sei religiös motiviert gewesen. Man untersuche, ob es sich um Selbstmordattentäter oder um Zeitbomben gehandelt habe. Augenzeugen sagten, die Sprengsätze seien explodiert, als die Prozession den Marktplatz in Hangu rund 250 Kilometer westlich der Hauptstadt Islamabad erreicht hatte.

Nach dem Anschlag kam es zu Ausschreitungen. Wütende Gläubige steckten mehrere Geschäfte in Brand und feuerten in die Luft. Sunnitische und schiitische Prediger riefen die Menge über Moschee- Lautsprecher dazu auf, Ruhe zu bewahren. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre über Hangu. Innenminister Sherpao sagte, zusätzliche Soldaten seien nach Hangu verlegt worden. „Die Situation ist angespannt, aber unter Kontrolle.“

Am Aschura-Tag geißeln sich einige schiitische Gläubige selbst im Gedenken an den Märtyrertod des Imams Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. In zahlreichen pakistanischen Städten wurden die Sicherheitskräfte wegen der landesweiten Prozessionen verstärkt. In der südwestpakistanischen Stadt Quetta waren vor zwei Jahren bei einem Anschlag auf eine Schiiten-Prozession mehr als 50 Menschen getötet worden. In Pakistan und Afghanistan gehören jeweils rund ein Fünftel der Menschen der schiitischen Minderheit an.

Auch in Indien kam es zu schiitischen Prozessionen. In Srinagar, der Regionalhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs, nahmen nach Augenzeugenberichten mehrere tausend Schiiten an einer friedlichen Prozession teil. Am Rande der Veranstaltung skandierten Gläubige mit Blick auf die Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen in europäischen Medien Parolen gegen Dänemark. Auch Rufe zur Unterstützung Irans im Atomstreit wurden laut.

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