Schily: "Terrorismus ist keine Waffe der Schwachen!"
Der zahme Staats-Anwalt

Als Otto Schily am Sonntagmittag in glühender Hitze an einer schäbigen Bushaltestelle am Rande der israelischen Negev-Wüste steht, blickt er auf ausgebrannte Kerzen und in Zellophan verpackte Blumen. Der Bürgersteig vor ihm ist voller Wachs und vertrockneter Blüten. Es ist dies das Mahnmal für eines der jüngsten Selbstmord-Attentate arabischer Terroristen.

TEL AVIV. Am 31. August hatten hier zwei palästinensische Fanatiker zwei Busse in die Luft gesprengt, hatte die mächtige Explosion 16 Israelis in den Tod gerissen und 200 Menschen schwer verletzt. Schily, im dunkelblauen Anzug gewandet, legt am Tatort einen Kranz nieder. Und spricht von Tragödie, Bedrohung, Zivilisation und schrecklichem Verbrechen. Wort und Tat sind diesmal keine vier Flugstunden, keine Kontinente, keine politischen Streitereien und keine Nachrichtensendungen mehr voneinander getrennt. Allenfalls apathisch nehmen die wenigen Passanten am Ufer des stinkenden Verkehrsstroms die Szenerie wahr. Sie müssen mit der Gefahr der Anschläge leben, Tag für Tag.

„Terrorismus ist alles andere als die Waffe der Schwachen“, hatte Schily am Vorabend in Tel Aviv abstrakt behauptet. Da spricht er vor mehr als 500 Zuhörern als Gastredner auf einer hochkarätig besetzten internationalen Antiterrorkonferenz auf dem Campus der Herzliya University in Tel Aviv.

Die Gäste Israels erleben an diesem Abend, wie dem internationalen Terrorismus kräftig heimgezahlt werden soll. „Wir haben zwei Drittel der El-Kaida-Spitze in jüngster Zeit eliminiert,“ tönt US-Botschafter Daniel Kerzer. „Verhandlungen mit Terroristen sind jenseits aller Vorstellungen“, höhnt der frühere Mossat-Direktor Shabtai Shavit. Der russische Botschafter, Gennady Tarasov, gibt den Putin: „Wir lassen uns von Terroristen nicht ängstigen“, trotzt er mit leblos eingefrorener Miene. Und mittendrin sitzt der „geklonte Kanther“, der „rote Sheriff“, der „Haudrauf der SPD“, „Schröders Fouquet“.

Auch der unbeugsame deutsche Staats-Anwalt Otto Schily sagt dem Terror den totalen Kampf an. Der Barbarei. Dem Rückfall. Doch anders als die Reden seiner prominenten Mitstreiter klingen seine Worte moderat, ja fast schon zahm. So beschwört Schily den hohen Wert des Rechtsstaates. „Auch Terroristen in Gefangenschaft muss ein Minimum an Rechtsschutz gewährt werden.“

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