Schlacht um Südossetien
Um Kopf und Kragen

Jetzt steht Michail Saakaschwilis Kopf auf dem Spiel: Politisch fordert Russland den Abgang des georgischen Präsidenten, und militärisch wie innenpolitisch gerät er immer mehr unter Druck. Einen Vorgeschmack bekam der Staatschef bei einer Visite im Kampfgebiet.

TIFLIS. Visite im Kampfgebiet: Ein tieffliegender Jet macht Michail Saakaschwili nervös, und er schaut immer wieder in den Himmel. Schließlich bringen ihn seine Leibwächter blitzschnell hinter eine Mauer, acht Männer werfen sich auf ihn. Ihre Kalaschnikows richten sich auf alles sich im Umfeld Bewegende. Dann kann sich der so Geschützte mit seiner Splitterschutzweste um den Oberkörper in seinen Hummer-Jeep retten, die Haare zerrupft wie ein Vogel nach dem Bad, und er wird rasend schnell davongebracht.

"Das russische Flugzeug kam sehr tief herunter und versuchte, mich und Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner zu treffen. So etwas kommt vor", gibt sich Saakaschwili am Montag nur wenige Stunden später in der Hauptstadt Tiflis betont abgeklärt. Es gehe jetzt nicht um seine Person, sondern um sein Land, das vor der Eroberung durch die Russen stehe.

Die Stadt Gori, Stalins Heimatstadt und unweit der Demarkationslinie zur abtrünnigen und von Russland besetzten Teilrepublik Südossetien gelegen, wird seit Tagen von russischen Kampfjets mit Bomben attackiert. Saakaschwili wirft Russland vor, Gori einnehmen zu wollen, "dann ist der Weg ins 60 Kilometer entfernte Tiflis frei, und sie können ganz Georgien erobern".

Saakaschwili liebt es riskant - nicht nur bei seinen Frontbesuchen: Aus der georgischen Regierung war er mit erst 34 Jahren und wenigen Monaten als Justizminister als Protest gegen seinen Mentor, Präsident Eduard Schewardnadse, ausgestiegen, ohne damals schon wissen zu können, dass er zweieinhalb Jahre später seine friedliche Rosen-Revolution mit seiner Präsidentschaft krönen kann. Und seither setzt er immer wieder alles auf eine Karte: den Weg nach Westen, der nach seinem Willen in EU- und Nato-Mitgliedschaft münden soll.

Doch ob er das noch erlebt, wird immer zweifelhafter. Denn Russland fordert seinen Kopf, oder wie Saakaschwili es selbst formuliert: "Russland will einen Regimewechsel in Georgien und eine demokratisch gewählte Regierung stürzen." Auch der amerikanische Uno-Botschafter Zalmay Khalilzad warf auf einer Sitzung des Weltsicherheitsrats dem Kreml genau dies vor: "Russlands Außenminister Lawrow hat unserer Außenministerin Rice gesagt, er (Saakaschwili) muss gehen." Moskaus Vertreter räumte nur das bisher geheime Telefonat ein, sagte aber, dass der Terminus des "Regime-Change" von den Amerikanern stamme.

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